In der indischen Millionenmetropole Mumbai befindet sich die wohl größte Wäscherei der Welt unter freiem Himmel. Dhobi Ghat. Seit fast 140 Jahren wird hier die Kleidung von Privatpersonen, Staatsangestellten, aber auch die Bettlaken von Krankenhäusern oder Hotels gewaschen.
Sie stehen jeden Tag ab vier Uhr morgens bis zu 16 Stunden lang in der Waschlauge. Gleich neben der Mahalaxmi Zugstation, im südlichen Teil von Mumbai gelegen, arbeiten hier etwa 3000 Dhobis, wie die Wäscher genannt werden. Ihr Arbeitsplatz ist eingeteilt in zwei Abschnitte: Big Dhobi-ghat und Small Dhobi-ghat. Im größeren Bereich gibt es 631 Waschplätze und im anderen nochmals 100. All das spielt sich auf einer Größe von etwa drei Fußballfeldern ab. Da sind allerdings auch die Trocknungsflächen für die Wäsche dazugerechnet.
Der Service wurde in der Kolonialzeit eingeführt. 1890 wurde Dhobi Ghat gegründet, um dem wachsenden Bedarf an sauberer Kleidung durch die britischen Offiziere, der Oberschicht aber auch der Krankenhäuser nachzukommen. Zu der Zeit waren gerade mal fünfzig Personen in der Wäscherei beschäftigt.
Touristen lieben diesen Ort
Dhobi Ghat ist sehr beliebt bei Reisenden. Es werden sogar ganze Touren von Guides durch die riesige Wäscherei angeboten. Auch die Filmindustrie von Indien, Bollywood, hat die beeindruckende Kulisse schon mehrfach in ihren farbenfrohen Streifen benutzt. Dazu zählt auch der Film „Dhobi Ghat“ (Bombay Diaries) oder Munnabhai MBBS.
Auch wenn Dhobi Ghat in Mumbai die erste Wäscherei unter freiem Himmel war, sie ist nicht die einzige. Ein ähnliches Projekt gibt es seit 1902 auch in Kalkutta, es ist allerdings nicht so groß. Die Dhobis haben sogar eine eigene Interessensvertretung. Die Dhobi Kalyan & Audhyogik Vikas Co Operative Society Limited vertritt die Angelegenheiten der Arbeiter.
In der Wäscherei kümmert man sich übrigens nicht nur um das Waschen, das ganz klassisch mit mehreren kraftvollen Schlägen der Wäsche auf Steine erfolgt. Die Mitarbeiter trocknen die Stoffe auch und glätten sie sogar mit kohlebetriebenen Bügeleisen. Ein rundum Service, den man so auch von Wäschereien hierzulande kennt. Und das alles bei durchschnittlich 100.000 Kleidungsstücke am Tag!
Günstiger als jeder Waschsalon
Wer sich jetzt fragt, wie viel es wohl kostet, ein Shirt waschen zu lassen: Laut Times Of India von 2017 ganze fünf Rupien. Das sind umgerechnet etwa fünf Cent. Dabei wird sogar noch eine Garantie ausgesprochen, dass die Kleidungsstücke am nächsten Tag fertig sind.
Da ein großer Auftraggeber die lokalen Krankenhäuser sind, wird viel Wert auf Hygiene gelegt. Die Wäsche von dort wird in einem separaten Bereich gewaschen. Dhobi Ghat ist allgemein sehr gut organisiert. Hier wird Hand in Hand gearbeitet. Während ein Arbeiter die Wäsche nach Farben sortiert, wäscht sie ein anderer. Der Nächste hängt sie zum Trocknen auf und während die Wäsche gebügelt wird, bringt ein anderer schon wieder die nächste Ladung schmutziger Wäsche.
Es gibt einige Schattenseiten
Aber auch in Indien bleibt die Uhr nicht stehen. Immer öfter werden in Dhobi Ghat Waschmaschinen eingesetzt. Auch wenn diese Entwicklung auf den ersten Blick etwas schade ist, so überwiegen doch die Vorteile. Denn aufgrund des vielen stehenden Wassers wimmelt es in der Wäscherei vor Moskitos und es kommt häufig zu Malaria-Ausbrüchen durch die Blutsauger. Die Lauge, in der die Arbeiter stundenlang stehen, fordert auf Dauer ihren Tribut von der Haut und die Dämpfe von Bleichmitteln reizen die Lunge.
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