Ein Sportler mit einer schweren Eisenkugel. Er schwingt sie und hat dabei einen Kilt und ein farbig dazu passendes Shirt an. Er ist blond und steht auf einer Wiese. Im Hintergrund sieht man Zuschauer.

Die Highland Games in Schottland

Die Zuschauer der Spiele jubeln dem neuen Weltmeister zu. Er ist ein Hüne von einem Mann. Kein Wunder, dass der Tscheche mit dieser Statur bei den Highland Games so richtig abgeräumt hat. Nie im Leben hätte ich mir wenige Stunden zuvor träumen lassen, einmal neben dem Sieger im Baumstammwerfen zu stehen.

Dabei fing der Tag durchwachsen an. Um sechs Uhr morgens ging es per Bus von Glasgow Richtung Inveraray. Quer durch die wilde schottische Landschaft – die allerdings hinter einem Schleier aus Regen lag. Gut zwei Stunden Fahrt später war ich endlich im knapp 700 Einwohner zählendem Dorf angekommen. Hier gab es zwei Hotels, drei Cafe´s, ein Gefängnis, das inzwischen ein Museum war und eine Whiskeydestillerie (wie es sich für ein schottisches Dorf gehört).

Inveraray ist eine schottische Kleinstadt. Die weißen Häuser sind alle in einer Zeile angebracht. Ein typsiches Dort mit zweigeschoßigen Häusern.
Inveraray an sich ist kein spektakulärer Anblick.
Das alte Gefängnis ist eine der Hauptattraktionen der Gemeinde. Man kann daran Führungen machen. Es ist ein brauner, mehrstöckiger Bau mit zwei Flaggen auf dem Flachdach. Über dem mittig gelegenen Eingang steht der Schriftzug "Inveraray Prison"
Laut Aushang in Inveraray ist das alte Gefängnis eine der Top Attraktionen.

Nach einem Frühstück mit Porridge und überraschend leckeren Früchten fragte ich die Kellnerin, wann denn die Highland Games losgehen würden. Es gab nämlich nicht ein Plakat, das auch nur andeutete, dass sich hier in wenigen Stunden die besten Kraftsport-Athleten der Welt messen würden. Geantwortet hat allerdings nicht sie, sondern ein Paar vom Nachbartisch. In schönstem Gälisch. Ich habe mir aus den Wortfetzen, die ich verstanden habe, eine Antwort zusammengereimt.

Los gehts ganz traditionell mit Dudelsackmusik

Kurz darauf stapfte ich mit Regenschirm durch das schon 1747 gegründete Dorf, das gleich neben dem Loch Fyne liegt. Neben dem bereits erwähnten Gefängnis ist die Hauptattraktion das Märchenschloss „Castle Inveraray“, in dem der Clan Campell lebte. Das ist die Gründerfamilie des Ortes. Genau dieses Schloss sollte ich später noch zu Gesicht bekommen. Aber fürs erste war ich froh, einen guten Platz für den Beginn der Veranstaltung ergattert zu haben. Gemeinsam mit der Gruppe aus Dudelsackspielern ging es zum Austragungsort der Spiele.

Eine Musikgruppe von Dudelsackspielern eröffnet die Highland Games. Man sieht die Gruppe in Kilts (grün) und schwarzen Oberteilen einen Wald durchgehen. Voran schreitet ein kleines Mädchen mit Zöpfen.
Angefangen von der Ortsmitte ziehen die Musiker mit Ehrenbürgern und Besuchern zum Veranstaltungsort.

Dort angekommen, war ich etwas erschlagen von Fahrgeschäften, Imbissbuden, Souvenirständen und – Dixi-Klos. In der Mitte davon befand sich ein abgesperrter Bereich. Hier lagen ein paar Matten, einige Linien waren mit Kreide auf die Wiese gezeichnet worden und vereinzelte Zelte standen darin. Ich fand es etwas desillusionierend. Irgendwie hatte ich mehr Brimborium gerechnet.

Die Highland Games sind mehr als Baumstämme werfen

Meine Enttäuschung legte sich aber schnell, als ich mich näher umschaute. Ich hatte ein bestimmtes Bild von den Highland Games im Kopf. Männer, die schwere Baumstämme schleppen, Hämmer werfen oder Kugeln quer über den Rasen schmeißen. All das geschah wirklich, aber auf der unscheinbaren Wiese spielte sich noch viel mehr ab.

Die Highland Games kann man fast mit den Olympischen Spielen vergleichen. Die erwähnten Kraftsportevents sind nur ein kleiner Teil von den sportlichen Leistungen, die nur wenige Meter vom Schloss Inveraray entfernt stattgefunden haben. Auf der von Dauerregen nassen Wiese fand ein Laufwettbewerb statt, die Sportler machten Dreisprung, haben sich im Wrestling gemessen und sogar ein Radrennen fand statt. Auf der nassen Wiese wohlgemerkt.

Ein Radrennen auf einer Wiese. Man sieht im Hintergrund die Zuschauer vor einem Wald stehen. Ein Rennfahrer ist an der Spitze, wird aber von drei anderen verfolgt.
Trotz nassem Rasen gab es keine Stürze beim Radrennen.
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Meistens fanden mehrere Wettbewerbe gleichzeitig statt. Das machte es etwas schwierig, allem zu folgen. Neben den bereits erwähnten Kategorien haben sich die Kinder und Mädchen die Seele aus dem Leib getanzt, begleitet von Dudelsackspielern, die sich ebenfalls miteinander gemessen haben. Die Favoriten der fast 4000 Zuschauer waren aber die Kraftsportwettkämpfe.

Bei den Kraftsportbewerben steigern sich die Gewichte

Los ging es in der Mittagszeit mit dem Weitwurf eines ungefähr sieben Kilogramm schweren Steines aus dem nahe gelegenem River Aray. Gleich danach wurde ein Gewicht mit zwölf Kilo geworfen. Die Menge der Last wurde mit jedem Wettbewerb gesteigert. In der nächsten Kategorie wog die zu werfende Kugel schon mehr als 25 Kilogramm. Dementsprechend kürzer war selbstverständlich auch die Weite, die geworfen wurden. Daher war ich etwas überrascht, dass ich von einem der Schiedsrichter fast ans andere Ende der Wiese verbannt wurde.

Ein Teilnehmer mit einem glockenförmigen Gewicht. Er trägt einen Kilt und steht breitbeinig da. Er hat eine Teilnehmernummer an seinem Kilt befestigt. Seine schwarze Haube hat er tief ins Gesicht gezogen.
Mit diesem Gewicht gelingen noch weite Würfe.
Man sieht geschnürte, braune Schuhe mit gefährlich aussehenden Spitzen vorne.
Den Schuhen der Hammerwerfer möchte man nicht zu nahe kommen.

Es stellte sich raus, dass das ganz gut war. Beim Hammerwerfen gab es nämlich um einiges mehr Action. Ein mehr als 1,20 Meter langer Hammer wurde mittels Drehung um die eigene Achse quer übers Feld geworfen. Bei einem Gewicht von nur sieben Kilogramm flog er richtig weit. Um in der feuchten Wiese nicht den Grip zu verlieren, trugen die Sportler spezielle Schuhe mit 15 Zentimeter langen Klingen, die sich in die Erde bohrten. Auf die Hände verteilten sie Baumharz, damit sich die Axt nicht schon früher verabschiedete. Nach dem Bewerb hatten sie einiges zu tun, um da Harz wieder runter zu bekommen.

Und das nur, um kurz darauf voll auf Tuchfühlung mit Mutter Natur zu gehen. Die Königsdisziplin stand an: Das Baumstammwerfen. Dabei muss sich der Baumstamm einmal überschlagen und in einer Position von zwölf Uhr auf dem Boden liegen bleiben. Dabei ist es nicht wichtig, wie weit der Baumstamm getragen wird. So hat der diesjährige Weltmeister beim letzten Wurf keinen einzigen Schritt gemacht. Angehoben, geworfen – gewonnen. Der 35-jährige Tscheche Vlad Tulacek hat den Wettbewerb gerockt.

Die Baumstämme haben eine Länge von 5 Meter. Sie liegen vor dem Bewerb auf dem Rasen. Es sind fünf verschiedene zu sehen.
Die Baumstämme spielen eine wichtige Rolle in der Königsdisziplin.
Der Gewinner des Baumstammwerfens. Er trägt ein graues Baseballcap, graues T-Shirt und eine goldene Medaille mit blauem Band. Er hat ein kantiges Gesicht und einen drei Tage Bart.
Der Gewinner und amtierende Weltmeister des Baumstammwerfens.

Mein Fazit nach knapp sechs Stunden im Nieselregen: Das war es wert. Die Atmosphäre ist super, die Leute sind entspannt und versuchen auch, einem Neuling die Regeln zu erklären. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man zu so einem Event gehen – aber den Regenschutz nicht vergessen.

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Quellen:

Inveraray Games

Infos über die Highland Games generell

Eigene Erfahrung beim Besuch am 22. Juli 2025

 

Fotos: Ingrid Müller

 

 

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