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Der Herr der Traktoren

Ein knapp 90jähriger Landwirt hat in seinem Hof eine der größten Oldtimer Traktorsammlungen von Österreich. Hier teilen sich Klassiker wie der 15er Steyr mit Oldtimern wie einem Deutz Baujahr 1939 den Platz. Die Sammlung findet Beachtung. Neben Besuchern aus aller Welt waren auch schon ganze Fernsehteams und eine Reihe von Journalisten beim Besitzer des Oldtimermuseums.

Dorf an der Pram. Eine beschauliche Umgebung. Felder und Wiesen so weit das Auge reicht. Mitten in dieser Idylle liegt der Innviertler Vierseithof von Ernst Stelzhamer. Das alte Bauerngut ist Heimat von mehr als 30 Traktoren. Das allein ist schon einen Bericht wert, aber es wird noch besser: Die Fahrzeuge sind teilweise hundert Jahre alt. Und sie funktionieren noch alle! 

Stelzhamer schmunzelt, als er vom ersten Traktor erzählt, der damals durch das Hoftor gefahren ist. Angst habe er gehabt vor dem großen, schwarzen Monstrum, das so viel Rauch ausgespuckt hat. Kein Wunder, der vierjährige Junge hatte noch nie in seinem Leben einen Traktor gesehen. Genau wie alle anderen in seiner Gemeinde. Sein Vater war der erste, der sich so eine Maschine angeschafft hat. Und jetzt, mehr als 80 Jahre später, stehen im ehemaligen Kuhstall des Altbauern einige der von Sammlern heiß begehrte Raritäten.

Ein Oldtimertraktor Marke Kramer von 1940. Er steht im Oldtimermuseum von Ernst Stelzhammer in Oberösterreich. Die Maschine ist braun, hat Gummireifen und macht einen antiken Eindruck.
Einer der Schätze im Museum: Ein Kramer Traktor aus 1940.
Ein alter Traktor mit etwas traurigem Blick. Die Front ist und gestaltet. die Scheinwerfer liegen hoch und das Reifenprofil ist sehr grob. Der Traktor ist grünlich/bräunlich und seitlich sieht man in den Motorrad.
Diesen Schweizer Traktor der Marke "Meili" gibt es österreichweit nur einmal.

„Die Leute haben mich ausgelacht, als ich mit Mitte zwanzig die ersten alten Traktoren gekauft habe“, erinnert sich der Landwirt. 500 Schilling hat er damals für einen Vorkriegstraktor bezahlt. Das war gerade einmal der Materialwert. Fast täglich war er nach der Arbeit im Stall noch bis zehn Uhr nachts in der Garage und hat an den Oldtimern geschraubt.

Mit fast neunzig schraubt er noch immer - und es ist kein Ende in Sicht.

Jeder Traktor wird in Handarbeit wieder fahrtüchtig gemacht. Dafür braucht er durchschnittlich ein Jahr. Der technisch begeisterte Landwirt hat sich das Wissen dafür selbst beigebracht. Stelzhamer ist mit ganzem Herzen dabei und nimmt sehr viel Mühe auf sich, um die alten Traktoren wieder in ihrem ursprünglichen Glanz erstrahlen zu lassen. Einmal ist er sogar in die Schweiz gefahren, um dort Ersatzteile zu holen. „Das hat aber nicht geklappt. Der Ingenieur des fehlenden Teils wollte stattdessen mir den Traktor abkaufen“ erzählt er kopfschüttelnd. Trotzdem hat er es geschafft, das dringend benötigte Ersatzteil aufzutreiben. Beim amerikanischen Werk in Ohio wurde er schließlich fündig. 

Im ehemaligen Kuhstall reihen sich neben seinem Lieblingsstück, einem Lanz Bulldog Baujahr 1941 mit Glühkopf, viele Klassiker. Ein Mc Cormick (Typ F-12) von 1937 teilt sich den Platz mit einem Hanomag Type RL 20. Letzter war eigentlich als Auto konzipiert, erzählt der stolze Besitzer. Aber für einen PKW war der Motor zu schwach, also hat man den hinteren Teil einfach abgeschnitten. Danach wurde die Leistung gedrosselt und fertig war der etwas andere Traktor mit dem Armaturenbrett eines Pkws. 

Ein hellblauer, autoähnlich wirkender Traktor. Er hat seitlich ein Mähwerk, runde Scheinwerfer und eine eckige Schnauze mit großem Kühlergrill. Die Gummireifen wirken fast Ewas klein für einen Traktor.
Von Vorne sieht der Hanomag RL 20 wie ein Auto aus.
Ein Hanomag Traktor RL 20 von hinten. Er ist hellblau lackiert und wirkt dank des Traktorsessels und der gesamten, umgebauten hinteren Partie wie ein Traktor.
Das gleiche Fahrzeug von hinten. Hier erkennt man den Traktor.

Ein Besucher aus den Emiraten wollte einen Traktor unbedingt mitnehmen.

All diese Schmuckstücke haben schon Besucher aus aller Welt angelockt. Im Gästebuch des Besitzers stehen Eintragungen aus den USA, Israel oder auch Dubai. „Ein Gast aus den Arabischen Emiraten wollte mir unbedingt einen Traktor abkaufen “, erzählt er. Er habe nicht verstanden, warum er ihn trotz seines sehr großzügigen Angebotes nicht hergeben wollte. Manche Dinge kann man eben nicht mit Geld aufwiegen.

Der begeisterte Sammler weiß von jeder Maschine eine Geschichte zu erzählen. Wie etwa vom Fordson Fyp F, der als erste Traktor in Fließbandproduktion hergestellt wurde. Das Modell bei Stelzhammer hat noch keine Gummiräder, seine Reifen bestehen aus Stahl. Immerhin hat er schon eine Kurbel zum Anstarten. Damit war er leichter zu handhaben als die bei einigen anderen Schleppern üblichen Glühkopfmotoren. 

Der Fordson Traktor. Mit roten Stahlreifen und einer eckigen Form. Der Motor ist grau, der Kühlergrill schwarz und die Eisenreifen knallrote
Der Fordson war der erste Traktor, der in Fließbandproduktion hergestellt wurde.
Lanz Traktor, 1941 Baujahr. Der Traktor ist grau-braun, hat einen riesigen Auspuff und wirkt sehr klobig. Vorne sitzen zwei runde Scheinwerfer . Er hat bereits Gummireifen, allerdings noch eine Glühkopfzündung.
Dieser Lanz Traktor von 1941 wurde noch mit Feuer in Betrieb genommen.

Traktoren mit dieser Technik mussten mit Feuer in Betrieb genommen werden. Zum Starten musste man nach dem Anzünden das abnehmbare Lenkrad in eine seitliche Aussparung stecken und schnell drehen. Übersah man den richtigen Moment, es wieder herauszunehmen, kam es durch das schnell wirbelnde Rad leicht zu schmerzhaften blauen Flecken. „Das ist meinem Vater mehrfach passiert“, erinnert er sich zurück.

„Diese Maschine wird das Ende eures Hofes sein“

Einige seiner Ausstellungsstücke bringen dem ehemaligen Landwirt viele Erinnerungen zurück. Als die Familie damals in den 1940er-Jahren ihren Lanz Traktor bekommen hat, sind alle anderen noch mit Pferden und Ochsen auf den Feldern unterwegs gewesen. Die Nachbarn waren sicher, dass dieses neue Gerät den Untergang des Hofs mit sich bringen würde. Sie waren überzeugt, dass durch das Gewicht der riesigen Maschine die Erde zu stark zusammengepresst werden würde. Damit würde die Ernte leiden und auch die Würmer, die den Boden lockern, würden zerquetscht werden, erinnert sich Stelzhammer an die damaligen Warnungen. 

Heute ist dieser Lanz Bulldog Teil der Sammlung. Er befindet sich in einem Raum mit einem 1939er Deutz mit einer Höchstgeschwindigkeit von ganzen 9 km/h. Die Maschine ist außerdem mit sogenannten „Klappgreifern“ ausgestattet. Diese wurden bei Bedarf heruntergeklappt und ermöglichten besseren Halt auf dem Acker. Dem gegenüber steht sogar eine funktionstüchtige Dampfmaschine. „Mit ihr wurden Traktoren und andere Maschinen überhaupt erst möglich“, erklärt er mit sichtlichem Stolz. 

Eine echte Dampfmaschine steht auch in der Sammlung des Pensionisten. Er steht neben dem schwarzen Gerät, dessen Schlot aus Platzgründen niedergeklappt ist. Man sieht den großen Kessel, die Anzeigen und die Apparatur, mit dessen Hilfe die Kraft übertragen wurde. Die Maschine steht in einer Halle und dessen Besitzer daneben
Einer der Sahnestücke der Sammlung ist die funktionierende Dampfmaschine
Der Deutz Traktor ist grün, er hat schwarze Gummiräder mit roten Felgen. Auf dem Kühlergrill prangt der Schriftzug Deutz. Darunter sieht man die Kurbel zum Anstarten. Der Traktor verfügt über rote Krallen, die ihm bei Bedarf mehr Halt geben. Sie müssen nur aufgeklappt werden.
Er mag nicht der schnellste sein, aber zuverlässig ist er: Der Deutz mit seinen Klappgreifern.

Stelzhamer achtet sehr auf seine Oldtimer. Jeder Einzelne mit Gummireifen ausgestattete Traktor ist aufgebockt. Sonst würden die Reifen bei fehlender Bewegung unter dem Gewicht über kurz oder lang kaputt gehen. Durch diese Fürsorge ist er auf eine weitere Sammelleidenschaft gestoßen. Eine Wand hinter den Traktoren ist mit antiken Wagenhebern bestückt. Anders als bei den Traktoren braucht er sich hier keine Gedanken über fehlenden Platz zu machen. Zumindest vorerst. 

Wie gut kennst du Österreich wirklich?

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Ein Buch mit dem Titel "Wie gut kennst du Österreich". Auf der Vorderseite sieht man eine Alm mit einer Kuh. Das Ringbuch liegt auf einer rot weiß karierten Oberfläche.

Quellen:

Besuch bei Herrn Stelzhammer und seiner Frau am 7. April 2026

https://www.oldtimerclub-rottenbach.at/wp/?page_id=625

 

Fotos: Ingrid Müller

 

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