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Das Gonesrennen von Wölting

In einem kleinen Dorf im Salzburger Lungau findet jedes Jahr eine ungewöhnliche Ostertradition statt: Das Gonesrennen. Man könnte es als eine Art Fangen Spielen für Erwachsene ansehen. Früher war es als Methode zum Verkuppeln der hart arbeitenden Landbevölkerung gedacht, inzwischen wird es mehr als lustiges Fest gesehen. 

Bis vor wenigen Jahren gab es das Gonesrennen auch in den benachbarten Ortschaften rund um Tamsweg. Inzwischen ist die 200 Einwohner zählende Ort Wölting die einzige Gemeinde, in der dieser Brauch noch aktiv betrieben wird. 

Die ganze Dorfgemeinschaft kommt zusammen

Am Ostermontag Nachmittag ist es so weit. Die Einwohner versammeln sich nahe dem Feuerwehrhaus auf einem größeren Platz. Fast jeder steuert was zu dem Fest bei und bringt Kuchen oder Getränke mit. Die Einnahmen gehen an die Dorfgemeinschaft und die Feuerwehr, die das Ganze mitveranstaltet. Unter den Zuschauern befindet sich auch der ein oder andere Tourist, der aus den Medien von dem exotischen Brauch gehört hat.

Während die Zuschauer von der örtlichen Blasmusikkapelle unterhalten werden, gehen die ersten Teilnehmer schon in Stellung. Sie wissen schon, worauf sie sich einlassen. Dennoch erklären die Organisatoren Markus Lüftenegger und Bernhard Wieland nochmals kurz den Ablauf und die Regeln. 

Man sieht einige Bierbänke mit Zuschauern unter blauem Himmel. Auch einige Bäume sind im Hintergrund zu sehen. Ein großer grüner Sonnenschirm ist aufgespannt.
Das ganze Dorf ist gekommen, um beim Gonesrennen dabei zu sein.
Man sieht eine Menge Menschen hintereinander auf einer Wiese stehen. Sie ist eher vertrocknet. Im Hintergrund sind Bäume zu sehen, einige grüne Sonnenschirme und Zuschauer.
Die Teilnehmer gehen in Stellung. Ganz vorne ist der "Gones"

Gonesrennen ist Fangenspielen für Große

Beim Gonesrennen stellen sich einige Pärchen hintereinander auf. Ganz vorne steht ein Mann alleine. Er ruft laut den Spruch:„Gones, Gones, Kikeriki, das letzte Pärchen her zu mir“. Daraufhin läuft das letzte Paar links und rechts seitlich von hinten an ihm vorbei. Das Ziel ist, die Frau zu fangen, bevor sie wieder mit ihrem Partner zusammenkommt.

Ganz wichtig ist, dass der „Gones“ sich natürlich nicht umdrehen darf, um zu sehen, auf welcher Seite die Frau läuft. Nun versucht er, sie zu fangen und sie ihrem ursprünglichen Partner sozusagen wegzuschnappen. Der Verlierer ist dann der nächste „Gones“.

Es wird nicht so ernst genommen

Bei dem Spiel werden die Teilnehmer durchaus kreativ. Da wird mit Spiegeln hantiert, geschielt, verspiegelte Sonnenbrillen verwendet oder schlicht die Regeln ignoriert. Allerdings sieht niemand dieses Event so verbissen, es geht rein um den Spaß. Mitmachen darf jeder, man muss kein gebürtiger Wöltinger sein.

Eine Morgenstimmung in einer Berglandschaft. Man sieht die aufgehende Sonne, viele Berge und etwas Nebel im Tal liegen. Nur wenige Schleierwolken sind zu sehen.
In dieser Gegend findet das Event statt: Das Lungau in Salzburg

Das Gonesrennen war ursprünglich dafür gedacht, zwei einsame Herzen zusammenzuführen. Immerhin war das Bergbauernleben hart und es blieb wenig Zeit für die Suche nach der Liebe. Spielerisch haben dann doch auf diese Art so einige Mägde und Knechte zueinandergefunden.

Über den genauen Ursprung und wann das erste Gonesrennen in den Salzburger Bergen stattgefunden hat, gibt es leider keine Aufzeichnungen. Man kann nur hoffen, dass die Bewohner von Wölting ihren Wurzeln treu bleiben und diese ungewöhnliche Tradition weiterführen.

Auf YouTube habe ich ein kurzes Video von dem Spektakel veröffentlicht. HIER kann man sich selbst ein Bild machen. 

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Zwei Gläser mit Etikett und rot weiß kariertem Stoff obendrauf.

Quellen:

Interviews mit den Veranstaltern Herrn Lüftenegger und Herrn Wieland vor Ort (6. April 2026)

Interviews mit Besuchern 

Fotos: Ingrid Müller

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