Jack Sparrow ist fiktiv aber dennoch einer der bekanntesten Piraten. Die Seeräuber sind gefürchtet, ihr Leben wird aber auch von unzähligen Autoren romantisiert. Wie war der Alltag dieser Gesetzlosen auf hoher See wirklich? Was ist Klischee, was entspricht der Wahrheit?
Die „Schrecken der Meere“, wie Piraten auch gern bezeichnet wurden, waren hauptsächlich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert auf den Meeren unterwegs. Wenn viel befahrene Handelsrouten durch eine Meerenge oder Inselgruppen führten, fand man dort auch Seeräuber.
Piraten hatten oftmals genau wie in den Filmen, Affen oder auch Papageien mit an Bord. Die Tiere waren allerdings zum späteren Verkauf gedacht. Exotische Lebewesen waren in der damaligen Zeit sehr gefragt und brachten viel Geld ein. Die Papageien stammten übrigens nicht aus weit entfernten Ländern – sie wurden von den Seeräubern meist in London eingekauft. Dort war damals der größte Markt für die bunten Vögel.
Es gab selten richtige Seegefechte.
Die bekannte Flagge mit dem Totenkopf war ursprünglich rot. Die Piraten waren damals jedoch auch flexibel: Um sich unbemerkt ihrem Beuteschiff zu nähern, haben sie teilweise sogar die gleiche Flagge verwendet. Die Opfer nahmen also an, es würde sich ein Schwesterschiff nähern und bemerkten die Gefahr erst, wenn es bereits zu spät war.
Beim Angriff, der sogenannten „Prise“, haben sie aber keine Kanonenkugeln auf den Gegner abgefeuert. Dadurch wäre das Schiff im schlimmsten Fall gesunken – und mit ihm die Beute. Also haben sie statt dessen Metallschrot eingesetzt. Damit wurde das Segel zerstört und das Schiff war dann leicht zu erobern.
Sobald die Piraten geentert hatten, übergab die Mannschaft ihnen meist sogar freiwillig die wertvolle Ladung. Die Seeleute waren damals großteils unterbezahlt und schlecht verpflegt. Daher hatten sie keine Motivation zu kämpfen und haben statt dessen aufgegeben. So haben sie auch vermieden, von den Seeräubern auf einer einsamen Insel ausgesetzt zu werden. Das kam durchaus vor, wenn die Besatzung des geenterten Schiffs starke Gegenwehr leistete. Oder sie wurden schlicht über Bord geworfen.
Das Klischee vom Piratenschatz
Reich sind die Seeräuber aber nur in den seltensten Fällen mit ihrem Job geworden. Die Handelsschiffe, die sie überfallen haben, hatten großteils Baumwolle, Zucker oder Tabak geladen. Nur ganz selten haben die Piraten Gold auf den Schiffen gefunden. Die Beute wurde aufgeteilt und dann auch schnell verprasst. Das Klischee vom „vergrabenen Schatz“ entspricht nicht der Wahrheit.
Natürlich gab es auch Gegenwehr gegen die Seeräuber. Einer der ersten Kriege gegen Piraten fand im Jahr 67 vor Christus statt. Die Lebensmittelvorräte der Römer waren durch die Seeräuber gefährdet und so schlugen sie zurück. Erfolgreich. Es dauerte allerdings nicht lange und die Piraten formierten sich neu und wurden erneut zur Bedrohung.
Das bekam auch Julius Caesar zu spüren. Auf dem Weg nach Rhodos wird er von Piraten entführt. Sie verlangen eine Lösegeldzahlung von 20 Talente Silber (heute etwa zwei Millionen Euro) – was dem römischen Anführer jedoch zu wenig ist. „Ich bin mindestens 50 Talente wert“, soll er gesagt haben. Nachdem diese Summe nach fast 40 Tagen bei den Piraten eintrifft, wird er freigelassen. Doch statt nach Rom heimzukehren, chartert er eine Flotte, heuert kampferprobte Männer an und überfällt seine Entführer. Sie enden am Kreuz.
Wichtige Schlachten
Die Piraten führten aber auch Krieg untereinander. Ende des 11. Jahrhunderts trafen muslimische und christliche Seeräuber aufeinander und kämpften im Rahmen der Kreuzzüge im „Heiligen Krieg“ gegeneinander.
Eine weitere nennenswerte Begegnung zwischen Piraten und wehrhaften Gegnern fand 1801 statt. Schon seit 1785 mussten die damals noch jungen Vereinigten Staaten Tribut zahlen, damit ihre Matrosen unbehelligt die Ozeane befahren konnten. Blieben die Zahlungen aus, landeten die Seeleute bestenfalls in der Sklaverei. Als die Tributforderungen über Jahre anstiegen und bald 20 % des gesamten Staatsetats ausmachten, entschloss man sich zu handeln.
Präsident Thomas Jefferson weigerte sich zu zahlen – und bekam prompt eine Kriegserklärung vom Fürsten der Barbaresken. Dessen Reich erstreckte sich zwischen Marokko und Libyen, auch Algier, Tunis und Tripolis gehörten dazu. Als das stärkste Kriegsschiff der USA, die „Philadelphia“, vor Tripolis durch ihr Gewicht auf Grund lief, wurde es zum „Geschenk Allahs“ erklärt und dessen Besatzung versklavt. Daraufhin sandten die USA mehrere Schiffe in die Region, die schließlich die Barbaresken in die Schranken wiesen. Diese Schlacht war der erste Einsatz der amerikanischen Elitetruppe „Marines“.
Sie folterten, um ihrem Ruf gerecht zu werden
Seeräuber waren in viele Konflikte und Kriege verwickelt. Trotzdem versuchten sie meist, ihre Opfer nur durch ihr Erscheinen und aggressives Auftreten zur Aufgabe zu bringen. Denn jede Schlacht barg das Risiko von Verletzungen der Crew oder Beschädigungen des Schiffs. Daher sorgten sie durch Folterungen ihrer Gefangenen dafür, dass sie auf See gefürchtet wurden.
Der „Tanz um den Mast“ war noch die harmloseste Foltermethode. Dabei wurde der Gefangene mit Säbeln und Entermessern gestochen und so gezwungen, um den Mast zu „tanzen“. Begleitet wurde das Spektakel vom Lachen der Piraten und Geigenmusik. Beim „Woolding“ wurde ein Tau um den Kopf des Opfers gelegt und am Ende mit einem Holzstab verknotet. Dieser wurde gedreht, sodass sich das Seil immer enger um die Schläfen spannte. Das Opfer hatte das Gefühl, die Augen würden ihm aus dem Kopf springen.
Das „Kielholen“ kam fast einer Todesstrafe gleich. Der Gefangene wurde mit Händen und Füßen an ein Seil gebunden und dann unter dem Schiff entlang gezogen. Entweder er ertrank oder starb Tage später an den Folgen. Durch das Entlangziehen am rauen Schiff kam es unweigerlich zu Schnittwunden, deren Entzündungen meist zum Tod führten.
Wurde man zum „Gouverneur einer Insel“ erklärt, endete das auch mit dem Tod. Bei dieser Folterung wurde der Gefangene in einem Boot ausgesetzt. Mit einer Flasche Rum, Schießpulver und einer Pistole mit exakt einer Kugel. Er hatte also die Wahl zu verdursten oder sich zu erschießen.
Bekannte Seeräuber
Im deutschsprachigen Raum verbreitete Klaus Störtebecker Furcht und Schrecken auf Nord und Ostsee. Er wurde auf seinem Schiff „Toller Hund“ im April 1401 gefangen genommen, nachdem es von einem Verräter manövrierunfähig gemacht worden war. Auf der „Bunten Kuh“ wurde der Seeräuber nach Hamburg gebracht und dort mit seinen 72 Kameraden enthauptet.
Kaliko Jack war ein Engländer, der im Goldenen Zeitalter der Piraten unterwegs war. Zwischen 1700 und 1720 trieb er sein Unwesen und machte sich mit einem Symbol unsterblich. Er war der erste, der die Flagge mit dem Totenschädel und den gekreuzten Knochen verwendete. Das Emblem wird auch als „Jolly Roger“ bezeichnet.
Samuel Bellamy wurde zwar nur 28 Jahre alt, blieb aber für seine Großzügigkeit im Gedächtnis. Er ist auch als „Robin Hood der Piraten“ bekannt. Er war zwischen 1695 und 1717 aktiv.
Nathaniel Gorden starb 1820 am Galgen. Er wurde nach dem Piratengesetz wegen Sklavenhandels hingerichtet und ist bekannt als „letzter Pirat“.
Natürlich gibt es auch heute noch Piraten. Die wohl bekanntesten sind die Huthi Rebellen, die im roten Meer immer wieder Handelsschiffe angreifen.
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Quellen:
https://www.wissen.de/faktencheck-piraten-zwischen-mythos-und-realitaet
https://www.focus.de/wissen/experts/zerjadtke/grausame-rache-caesar-und-die-piraten_id_4519042.html
https://woffelsbacher-piratenpack.jimdoweb.com/piraten-wissen/strafen-folter-und-hinrichtungen
https://de.thpanorama.com/blog/historia/los-33-piratas-ms-famosos-de-la-historia.html
Fotos:
Titelbild von PIXABAY. Danke an:
dimitrisvetsikas1969


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