Beim Glöcklerlauf in Ebensee am Traunsee sind jedes Jahr zur letzten Raunacht Hunderte Teilnehmer mit dabei. Sie tragen hell erleuchtete Kappen, die bis zu zwei Meter hoch sein können. Neben der beleuchteten Kopfbedeckung tragen die Passen, wie die Gruppen der Läufer auch genannt werden, ebenfalls große Glocken am Rücken. Auf diese Art soll im oberösterreichischen Ort das Böse verscheucht werden.
Einzelne Schneeflocken schweben sachte zu Boden und langsam kehrt Dunkelheit ein. Vor den Glühweinständen bilden sich Schlangen. Die Einwohner und Besucher versuchen sich noch ein wenig aufzuwärmen, bevor es losgeht. Hin und wieder sieht man einen Einheimischen in weißer Kleidung mit einem riesigen Gebilde herumlaufen. Langsam steigt die Nervosität bei den Teilnehmern des Glöcklerlaufs.
Um Punkt sechs Uhr abends eröffnet ein Böllerschuss das Spektakel. Unter lautem Scheppern von den Glocken macht sich der Zug auf, quer durch den Ort zu laufen. Bejubelt von Zuschauern und bestaunt von großen Kinderaugen erleuchten die etwa 400 Kappen die Dunkelheit. Die Kopfbedeckungen werden in stundenlanger Handarbeit von Gruppen und Vereinen hergestellt. Das besondere: Sie bestehen nur aus Holz und Papier.
So wirds gemacht.
Das Grundgerüst der bis zu 15 Kilo schweren Kappen besteht aus Holz. Die Motive werden aus schwarzem Tonpapier ausgeschnitten und das anschließend mit Seidenpapier beklebt. Nachdem die farbenfrohen Bilder auf das Holzgerüst gespannt wurden, muss es nur noch beleuchtet werden. Und das passiert mit handelsüblichen Kerzen.
Die Ständer sind fest mit dem Holzgestell verankert, die Kerzen können nicht umfallen. Allerdings brennen sie ungefähr drei Mal während des Laufs aus. Immerhin sind die Glöckler von sechs Uhr abends bis zwei Uhr früh (mit Pausen) unterwegs! Dank eines kleinen Riegels kann ein Teil der Kappe aufgeklappt werden. So lässt sich das Leuchtmittel leicht auswechseln. Das macht einer der vielen Helfer, die beim Brauchtum mit dabei sind.
Die Tradition des Glöcklerlauf hat vor etwa 150 Jahren begonnen. Damals haben arme Leute mit solchen selbst gemachten Kappen mit „Heischn“, also Betteln, angefangen, „Sie sind dabei von Haus zu Haus gegangen“, erklärt der Einheimische Herbert Moser. Seit mehr als 40 Jahren ist er bei dem Brauchtum schon mit dabei. Die Anzahl der Teilnehmer ist stetig gestiegen und daraus hat sich dann die Tradition entwickelt, die seit 2010 sogar immaterielles Weltkulturerbe der UNESCO ist.
Der Lauf findet bei jedem Wetter statt. „Geht nicht, gibts nicht, heißt es in Ebensee“, sagt der 70-Jährige schmunzelnd dazu. Starker Regen bedeutet leider oftmals den Tod der Kappe. „Wenn sie aber nur ausgeblichen oder Teile durch Kerzenwachs beschädigt sind, wird sie repariert und im nächsten Jahr wieder verwendet“. Die Kappen werden also nicht zwangsläufig jedes Jahr neu gemacht.
Es laufen sogar vierjährige Kinder mit.
Der Glöcklerlauf ist sehr familienfreundlich. Das gilt nicht nur für die Zuschauer! Bei dem Brauch sind auch die Kleinsten schon mit dabei. Selbst knapp vierjährige Kinder haben bereits kleine Kappen und Glocken im Miniformat dürfen auch nicht fehlen. Der Nachwuchs hilft wie selbstverständlich beim Bau der Kappen mit. „Bei uns sitzt keiner mit dem Handy da, da werden die Kappen gemacht“, sagt Moser dazu.
Ein wenig schwierig war die Situation, als sich vor einigen Jahren eine Frauen-Glöcklergruppe gebildet hat. Sie standen in der Kritik, weil sie eine 10.000 Euro Förderung (Innovationspreis) vom Land erhalten hatten. Seit 2021 läufen nun auch weibliche Passen mit und inzwischen haben sich die Wogen geglättet. Denn was zählt, ist doch, dass das Brauchtum bewahrt wird. Und dafür wird in Ebensee mit viel Hingabe gesorgt.
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Quellenangaben:
Interviews mit Teilnehmern vor Ort beim Glöcklerlauf in Ebensee am 5. Januar 2026
Interview mit Herbert Moser, der seit 40 Jahren beim Lauf dabei ist (am 5. Januar 2026)
Fotos: Ingrid Müller


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