Man sieht viele Menschen in Bärenkostümen und mit roten Quasten am Rücken.

Hier steppt der Bär – Das Bärentanz-Festival in Bacău.

Die Stadt Bacău ist jedes Jahr am 27. Dezember Schauplatz eines ungewöhnlichen Spektakels. Hunderte Teilnehmer ziehen als Bären verkleidet durch den rumänischen Ort. Sie verscheuchen dabei im Trommeltakt das Böse aus der Kleinstadt. 

Bumm-Bumm-Bumm. Schon von weitem hört man das rhythmische Trommeln. Der Wind bläst erbarmungslos mit schneidender Kälte an diesem Samstagmorgen im Dezember. Aber den Hauptdarstellern macht das nichts aus, sie stecken in dicken Bärenfellen und feiern das „Ursul-Fest“.

Die Anfänge der Tradition

Laut dem Einheimischen Ionut Alexandru Muraru gibt es eine frühe Version dieser Tradition schon seit etwa 2000 Jahren. Damals zogen die Männer los, um ihrem Clan einen Beweis für ihre Kraft und Männlichkeit zu liefern. Am letzten Tag des Jahres präsentierten sie ihrer Gemeinschaft dann als Beleg dafür das Fell eines von ihnen mit eigenen Händen erlegten Bären. Damit war ihnen der gesellschaftliche Aufstieg und das Ansehen in der Gruppe sicher.

Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert fanden schließlich die ersten Bärentänze in der rumänischen Stadt Dărmănești statt. In der Silvesternacht zogen Männer mit echten Tieren von Haus zu Haus. Dort „tanzten“ die in Ketten gelegten Bären unter Zuhilfenahme von heißen Kohlen. Die Darbietung der zumeist jungen Tiere sollte den Dorfbewohnern Glück bringen, erklärt die aktive Bärentänzerin Cosmina Neamtu aus dem Ort Dofteana.

Das Fest wird von Jung und Alt gleichermaßen geliebt

Beim modernen Ursul-Festival kommen keine lebendigen Bären mehr zu Einsatz. Die Bewohner von Bacău und den umliegenden Dörfern ziehen gemeinsam in Bärenfelle gekleidet durch die Straßen. Dabei hat jeder Ort mindestens eine eigene Bärengruppe, die durchaus schon mal 60 Leute umfassen kann. Zum Rhythmus der mit Ziegenhaut bespannten Trommeln bewegen die Teilnehmer ihre prachtvollen Kostüme. Das Bärenfest ist gelebte Tradition in Rumänien. Und die wird über mehrere Generationen hinweg praktiziert.

„Mein Sohn ist ein Bär, seit er drei Jahre alt ist“, erzählt mir einer der Teilnehmer voller Stolz. Auch wenn man das annehmen könnte, hier sind bei weitem nicht nur Männer mit dabei. Viele teils zierliche Frauen schlüpfen schon jahrelang in die bis zu 40 Kilogramm schweren Kostüme. Ein Großteil dieser Bärenfelle ist dabei echt. Mit Ausnahme der künstlichen Kinder-„Bären“ handelt es sich um von Jägern erlegte Tiere, die dann von speziellen Präparatoren zu einem Kostüm geschneidert werden. Auch die roten Bommeln, die Glück verheißen sollen, sind handgemacht. 

Einige junge Frauen im Bärenkostüm. Sie stehen mit hochgeklappten Kopf auf der Straße und lächeln in die Kamera
Unter dem Bärenfell stecken bei weitem nicht nur Männer.
Vor den Zuschauern wird dem Bär gezeigt, wer hier das Sagen hat. Ein traditionell angezogener Mann mit Stock in der Hand vor einem Bär, der die Pranken hochsteckt. Im Hintergrund sieht man das Publikum.
Vor der Bühne zeigen die Darsteller eine gut choreografierte Show.

„So ein Fell kann durchaus 1500 Euro kosten“, verrät mir Alexandra. Sie ist schon seit fünf Jahren regelmäßig bei dem Festival mit dabei. Aufgrund der Kosten gibt es auch die Option, das Kostüm für das Fest zu mieten. Das Bärenfell wird teilweise über Generationen hinweg weitervererbt, denn es hält etwa 30 Jahre. Sofern es regelmäßig eingeölt und mit speziellen Mitteln konserviert wird.

Neben Bären gibt es noch viele andere Figuren

Bei der Parade spaziert auch ein etwas ungewöhnlich aussehendes Tier mit. Die Geiß besteht aus bunten Papierschlangen und einem langen Hals, an dessen Ende ein beweglicher Kopf sitzt. Der Darsteller dieser traditionellen Figur lässt das Maul immer wieder auf und zuklappen, während er es kunstvoll zur Musik bewegt. Eigentlich kommt die Geiß erst beim Jahreswechsel zum Einsatz. Sie zieht von Tür zu Tür und bringt Glück fürs neue Jahr. Nachdem man davon immer ein wenig brauchen kann, ist sie auch beim Bärenumzug mit dabei.

Die Straße von Bacău ist gesäumt von Zuschauern. Mitten in der Menge sieht sich auch der Italiener Luca mit seinem dreijährigen Sohn den Umzug an. Der 41-Jährige liebt generell die Bräuche in dem Land. Aber sein Lieblingsfest sei definitiv das Bärenfestival, meint der beliebte Youtuber. Mit Blick auf das Geschehen ist das kein Wunder. So viel Abwechslung gibt es bei althergebrachten Events selten. Auf der großen Bühne, etwas abseits der Straße, tanzen inzwischen traditionelle Tänzer den Călușarii, den „Reitertanz“. Sie werden kurz darauf von Darstellern mit großen, an der Kleidung befestigten Glocken abgelöst.

Auf der Bühne geben die Teilnehmer alles.
Bunt gekleidete Menschen mit großen Glocken an der Kleidung. im Vordergrund eine gelbe Frau, daneben ein lila Mensch. Sie stehen auf einer Bühne. Im Hintergrund sieht man noch eine Frau in Grün.
Durch das laute Glockenläuten soll das Böse verscheucht werden.

Während dieser Darbietungen auf der Bühne geht die Parade der Bären durch die Innenstadt weiter. Mit dabei sind auch farbenfrohe Kostüme mit vielen aufgenähten Spiegeln und andere mit imposantem Kopfschmuck. So unterschiedlich die Kostüme auch sein mögen, sie dienen alle dem gleichen Ziel: die bösen Geister zu verscheuchen und den Zuschauern und Teilnehmern Glück für das kommende Jahr zu bringen. 

Eine Geiß aus Papierschlangen. Sie ist äußerst bunt und wirkt fröhlich.
Immer wieder bewegt der Darsteller die glücksbringende Geiß zum Trommeltakt.
Ein Mann mit vielen roten Bommel zähmt einen wilden Bären. Wobei der Bär nur ein Mann im Kostüm ist. Die beiden stehen sich auf der Straße gegenüber.
Der Mann mit den roten Bommeln tanzt mit dem "Bär"

Nach etwa fünf Stunden neigt sich das Fest in Bacău dem Ende zu. Für die Bärendarsteller gehts jetzt noch weiter ins nächste Dorf. Drei weitere umliegende Orte stehen noch auf dem Tagesplan, verrät Katalin, einer der Teilnehmer. Bis elf Uhr nachts ziehen die Bären durch die Straßen. In den nächsten Tagen gehts weiter durch die Nachbardörfer. Immerhin muss das Böse auf der gesamten Moldau-Region vertrieben werden. Ja, die Bären nehmen ihren Job ernst – und werden dafür von der ganzen Bevölkerung geliebt.

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Quellenangaben:

Gespräche mit Zuschauern und Darstellern des Bärentanz-Festivals in Bacău, 27. Dezember 2025

https://romania-photo-tours.com/the-bear-dance-festival-in-romania/

„Rumäniens Bärentänzer“ – Doku vom MDR (28.12.2024)

Speziellen Dank an Frau Roxana Georgiana, die als Übersetzerin fungierte

 

Fotos und Videos: Ingrid Müller

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