Graf Dracula kennt wohl jeder. Der blasse Kerl mit den spitzen Beißerchen hat eine Vorliebe für Blut und schläft nachts in seinem Sarg, der auf Erde aus Transsilvanien steht. Aber wehe, jemand kommt mit Knoblauch oder einem Holzpfahl an! So weit die berühmte Erzählung von Bram Stoker. So kreativ der Autor auch war, alles hat er sich nicht ausgedacht. Er wurde von einem realen Menschen inspiriert: Vlad Ţepeş aus Rumänien.
Ironischerweise war Stoker nie dort. Das musste er auch gar nicht, denn der grausame Herrscher „Vlad, der Pfähler“ war weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Aber was hat er denn genau gemacht? Was ist wahr und wo ist die Fantasie mit dem Buchautor durchgangen?
Für die meisten Rumänen ist Vlad Ţepeş III auch heute noch ein furchtloser Held, der ihr Land vor den einfallenden Osmanen beschützt hat. Dabei war er mit seinen Feinden nicht zimperlich, was auch schon der Beiname „Der Pfähler“ andeutet. Vlad III wurde in eine grausame Zeit hineingeboren. In der mittelalterlichen Walachei (ein Gebiet im südlichen Rumänien) waren öffentliche Hinrichtungen und Folterungen nichts Besonderes. Außerdem gab es im Januar 1418 auch sehr gewalttätige Streitigkeiten um den Thron nach dem Tod von Mircea, dem Älteren. Er war übrigens Vlads Großvater
Der Weg zum Thron war schwierig
Mirceas Sohn, Vladislav II., wurde nach einigen Machtkämpfen mit seinen Brüdern um die Herrschaft schließlich im Jahr 1436 König. Nachdem er den Thron bestiegen hatte, machte er einen Deal mit den kampferprobten Osmanen. Wie erfolgreich sie auf dem Schlachtfeld waren, sieht man anhand des Zeitraums, in dem Ihr Reich bestand. Von 1299 bis 1922 waren die Osmanen weltweit gefürchtet. Nur wenige Jahre darauf bereute Vlad II. seine Entscheidung und schloss sich einer von dem Transsylvanier Hunyadi geleiteten „Anti-Osmanen“ Gruppe an.
Als er diesen jedoch schließlich den Rücken kehrte, um den mächtigen türkischen Armee gegenüber neutral zu bleiben, war das sein Todesurteil. 1447 wurde er in einem Hinterhalt von Hunyadis Leuten umgebracht. Als auch noch sein ältester Sohn, der Thronerbe Mircae II, von Hunyadis Gefolgschaft lebendig begraben wurde, war die Zeit von Vlad III. gekommen. Er übernahm 1448 die Herrschaft im Land.
Lange saß er allerdings nicht auf dem Thron. Nur zwei Monate später wurde er abgesetzt und musste nach Moldawien an den Hof seines Onkels Bogdan II. fliehen. Nachdem auch sein Onkel ermordet worden war, verbrachte er noch einige Zeit in Transsylvanien. Schließlich kehrte insgesamt acht Jahre nach seiner Absetzung zurück an den Hof nach Tirgoviste. Er wollte unbedingt den Tod seines Vaters und seines Bruders rächen. Und dafür waren ihm alle Mittel recht.
Der Herrscher "räumt" zuerst sein Land auf
Er richtete seine Feinde grausam hin, ließ Aufmüpfige, Kriminelle und auch Bettler pfählen und deren Leichen als Warnung aufgespießt im Dorf stehen. Er regierte mit eiserner Faust und wusste um die Macht der Angst, die er durch seine Taten hervorrief. Geschichten wie die über einen goldenen Becher in einem Brunnen nahe Tirgoviste, der während seiner Herrschaft trotz des enormen Wertes nie gestohlen wurde, zeigen, dass seine Taktik aufging. Er war außerdem dafür bekannt, das Blut seiner Feinde zu trinken, um so deren Stärke aufzunehmen.
Ungefähr zu der Zeit übernahm er auch den Namen Dräculea, abgeleitet von dem Beinamen seines Vaters. Dieser war Mitglied des „Ordens des Drachens“, der zum Ziel hatte, die christliche Welt gegen die Osmanen zu verteidigen.
Dann zieht er gegen die Osmanen los.
1459 waren alle Aufstände niedergeschlagen und seine Armee stärker denn je. Vlad III hatte zusätzlich auch noch mehr Festungen errichten lassen und bereitete sich auf eine große Attacke gegen die Osmanen vor. Als ein Gesandter des Sultans kam, um mehr Tribut von dem Herrscher einzufordern, statuierte er ein Exempel. Er pfählte den Botschafter der Osmanen und schickte seine Armee über die Donau, um die türkischen Festungen zu erobern. In einem Brief an König Matthias Corvinus beschreibt er die Aufspießung von Zehntausenden von Menschen während eines Überfalls im Jahr 1461. Ein Jahr darauf schlugen die Osmanen dann zurück. Sie führten einen blutigen Feldzug gegen die Walachei.
Vlad III ließ den Feinden allerdings kein Stück Land als Beute. Er verbrannte die eigenen Dörfer und vergiftete die Brunnen, um die türkischen Armee so zu entmutigen. Diese rückten aber weiter ins Land vor und standen schließlich vor der verlassenen Thronfestung von Tirgoviste. Doch über die Eroberung der Festung konnten sie sich nicht lange freuen. Nur wenige Kilometer weiter fanden sie ein wahres Schlachtfeld vor. Zwanzigtausend ihrer Männer waren auf Pfählen aufgespießt. Ein Meer aus zu Tode gequälten Körpern, die nun als Aas für die Vögel dienten. Das war für die Eroberer zu viel. Sie zogen sich aus der Walachei zurück. Doch nicht ohne vorher den Thron zu besetzen und von der Festung Tirgoviste aus das Land zu regieren.
Seine Bitte um Hilfe geht nach hinten los
Vlad III suchte Unterstützung für den bevorstehenden Kampf um die Herrschaft der Walachei bei dem ungarischen König Matthias Corvinus. Doch dieser fiel ihm in den Rücken. Er nahm ihn stattdessen gefangen und sperrte ihn ganze zwölf Jahre in ein unterirdisches Verlies in der Hauptstadt. 1476 kam er dann wieder frei und es gelang ihm, mithilfe von Stephan dem Großen den Thron zurückzuerobern. Nur wenige Monate darauf wurde er bei einer von den Türken unterstützten Schlacht gegen den Herrscher Bassarab Laiotă getötet. Es gibt das Gerücht, dass sein Kopf dem Sultan nach Konstantinopel geschickt wurde – als Trophäe und Zeichen für den Sieg. Andere Quellen behaupten, sein ganzer Leichnam sei in Comana beerdigt worden.
Wie bei allen historischen Persönlichkeiten und Ereignissen wurden auch hier im Lauf der Zeit die Fakten gerne mal etwas „angepasst“. Während rumänische Quellen die Heldentaten und den Mut von Vlad III in den Vordergrund stellen, wird in anderen Dokumenten vor allem der Blutdurst des Herrschers hervorgehoben. Die Wahrheit liegt wohl, wie meistens irgendwo dazwischen.
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Quellen:
Vlad Tepes – Vlad the Impaler
ISBN: 978-606-051-035-2
Bucaresti: Ad Libri, 2025
https://www.britannica.com/biography/Vlad-II-Dracul
https://www.britannica.com/biography/Vlad-the-Impaler
Führung in Bukarest am 29. Dezember 2025
Fotos:
Titelbild: Porträt Vlad III.aus dem späten 16. Jhdt. vom Schloss Ambrass in Innsbruck. Werk ist gemeinfrei, da Frist abgelaufen ist
Restliche Bilder: Ingrid Müller


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