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Dr. Jekyll und Mr. Hyde im wahren Leben

Der klassische Roman „Dr. Jekyll And Mr. Hyde“ wurde von Robert Louis Stevenson im Jahr 1886 geschrieben. In dem Buch geht es um einen Mann, der tagsüber ein braver Bürger ist, nachts jedoch zu einem völlig Anderen wird. Der Schriftsteller hat sich diese Geschichte jedoch keineswegs ausgedacht. Sie ist in Edinburgh des 18. Jahrhunderts so ähnlich passiert. 

Der Autor wurde im November 1850 in der schottischen Hauptstadt geboren und lebte dort während seiner ersten 29 Lebensjahre. In dieser Zeit dürfte er wohl von William Deacon Brodie gehört haben, dessen ereignisreiches Leben am 1 Oktober 1788 am Galgen endete. Er war die Vorlage zu dem Roman, der heute in Millionen Kinderzimmern steht. 

Brodie wurde 1741 als Sohn eines Tischlers in Edinburgh geboren. Er eiferte seinem Vater nach und wurde durch Talent und harter Arbeit schnell zu einem der angesehensten Möbelhersteller. Brodie war außerdem ein respektiertes Mitglied des Stadtrats und sogar Vorsitzender (Deacon) der Steinmetzger- und Maurerzunft. Er liebte das Leben und kostete es voll aus. Was zu fünf unehelichen Kindern, zwei Liebhaberinnen und einer hemmungslosen Trink- und Spielsucht führte.

So wollte Brodie seine Schulden loswerden.

Seine Arbeit umfasste neben Reparaturen und Ausbesserungsarbeiten an Holzmöbeln auch den Einbau von Sicherheitsschlössern in Türen. Eines Tages im Jahr 1768 erkannte er das Potenzial dieser Tätigkeit. Er hatte endlich eine Lösung gefunden, seine sich anhäufenden Spielschulden loszuwerden. Wenn ein wohlhabender Kunde zu ihm kam, um sich ein einbruchssicheres Schloss einbauen zu lassen, so kam er diesem Wunsch gerne nach. Allerdings fertigte er für sich ein zweites Paar Schlüssel an, bevor er dem Auftraggeber sein Werk übergab.

Sein erster Raubzug traf gleich eine Bank. Unter Waffengewalt erbeutete er etwa 800 britische Pfund, eine Menge Geld für die damalige Zeit. Nachdem dieser erste Versuch so gut lief, baute er sein zweites Standbein aus. Er heuerte seine Komplizen Brown, Smith und Ainslie an. 

Gemeinsam machte das Quartett Edinburgh unsicher und machte auch nicht vor dem Diebstahl von Silber in der Universität von Edinburgh halt. Diese Verbrechenswelle hielt einige Jahre an. Tagsüber war Brodie ein rechtschaffener Handwerker und vertrauenswürdiger Volksvertreter, nachts Mitglied einer Einbruchsgang. Dieses Doppelleben ging lange gut – bis er dann doch erwischt wurde.

Eine Tafel an einem Pub in Edinburgh erinnert an Brodie. Man sieht zwei Männer die neben einer Schriftrolle stehen. Darauf ist die Geschichte aufgeschrieben.
Die Deacon Brodie Taverne erinnert mit einer Plakette an die Geschichte ihres Namensgebers.

Ein Nickerchen war der Anfang vom Ende.

Sein Untergang war ein Einbruch auf eine Steuerbehörde Seiner Majestät in Kessels Court im Stadtteil Canongate. Der Einbruch endete in einem Desaster, nachdem Brodie beim Wache-halten eingenickt war. Seine Komplizen wurden von der Polizei gefasst und verschwendeten keine Zeit, als Kronzeugen gegen ihn auszusagen. Brodie war es gelungen, in die Niederlande zu fliehen. Lange war er jedoch nicht auf freiem Fuß. In Amsterdam wurde er gefangen genommen und an Schottland ausgeliefert. 

Am 27. August 1788 begann die Verhandlung anfangs mit nur wenigen Beweisen gegen ihn. Als Beamte schließlich sein Haus durchsuchten, fanden sie seine Einbruchswerkzeuge. Neben nachgemachten Schlüsseln und Masken wurden auch Pistolen bei ihm sichergestellt. Die Jury kam zu einem eindeutigen Schuldspruch und verurteilte die beiden zum Tod durch den Strang. 

Brodie und sein Komplize Smith sollten am 1. Oktober 1788 gemeinsam am Zollgebäude in der Nähe der St. Giles Kathedrale hingerichtet werden. Aber der „ehrenwerte“ Gauner hatte noch ein Ass im Ärmel. Er bestach den Henker, damit dieser seinen schützenden Stahlkragen um den Hals ignorierte. Außerdem sollte er seinen Körper nach der Exekution schnellstmöglich vom Strick abnehmen.

Eine alte, gotische Kirche von außen. Man sieht den blauen Himmel mit einigen Wolken. Darunter ein mächtiges Kirchengebäude.
St Giles´ Cathedral - Ganz in der Nähe fand die Hinrichtung von Brodie statt.

Hat er es geschafft?

Schlussendlich nutzte ihm all das wohl überhaupt nichts. Er starb höchstwahrscheinlich am Galgen und wurde in einem namenlosen Grab beigesetzt. Dennoch behauptete jemand, er habe Brodie einige Monate später in Paris gesehen. Mit Sicherheit werden wir wohl nie wissen, ob der Gauner mit dem Doppelleben nicht doch noch davon gekommen ist.

Die Hinrichtung fand ironischerweise genau mit dem Modell statt, das er selbst vor Kurzem in seiner Funktion als Stadtrat freigegeben hatte. Damals hatte er den Bürgern gegenüber noch stolz verkündet, dass dieser neue Galgen der effizienteste und zuverlässigste seiner Art sei. Den Beweis dafür hat er schließlich selbst geliefert.

Dr. Jekyll And Mr. Hyde war nicht das einzige Werk, das von seinem Leben in Edinburgh beeinflusst wurde. Im Jahr 1884 hatte er mit dem Roman „The Body Snatcher“ auf die Grabräuber Bezug genommen, die auf den Friedhöfen der Stadt nach Leichen zum Verkauf an die medizinische Universität gesucht haben. Einige davon wollten allerdings nicht warten, bis jemand eines natürlichen Todes starb und half ein wenig nach. Wie das legendäre Duo Hare und Burke. HIER ist ihre Geschichte.

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Man sieht einen Fluss, der mit Bäumen und grünen Sträuchern gesäumt ist. Am rechten Ufer führt eine Straße entlang, neben der ein großes, zweistöckiges, braunes Gebäude steht, es hat eine dunkelbraunes Satteldach und einen Glockenturm. Es mutet wie eine Kirche an. Neben der Kirche und auf der anderen Flussseite stehen mehr alt aussehende Gebäude, die vornehmlich weiß sind. Sie haben allerdings dunkelrote Dächer. Vom Gesamtbild sieht es wie eine mittelalterliche Kleinstadt aus.
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