Es gibt so einige exotische Bräuche. Da werden Frauen für Bier durch die Gegend getragen, zukünftige Eheleute mit Ruß beschmiert und ein Buffet für Affen verantstaltet. Schauen wir uns einige davon einmal genauer an.
In Spanien findet jedes Jahr das La-Tomatina-Festival statt. In Buñol, einer kleinen Stadt in der Nähe von Valencia, bewerfen sich etwa 20.000 Teilnehmer mit Tomaten. Der Spaß findet immer am letzten Mittwoch im August statt. Zum Werfen werden nur überreife Tomaten verwendet, die sonst entsorgt werden würden. Begonnen hat es in den 1940ern als lustigen „Kampf“ zwischen Freunden. Jetzt zieht es Tausende Besucher an und völlig Fremde schleudern sich gegenseitig das rote Gemüse entgegen.
Wenn in den Vereinigten Staaten ein Kind der Amish Gemeinde seinen 16. Geburtstag feiert, erlebt der junge Erwachsene etwas Einzigartiges. „Rumspringa.“ Zu diesem besonderen Anlass darf das Geburtstagskind die strengen Grenzen der Amish übertreten. Sie sind eine eingeschworene Gemeinschaft, die das moderne Leben ablehnt. Die Amish sind in Pferdekutschen unterwegs, verwenden weder Strom noch andere moderne Annehmlichkeiten. Beim Rumspringa jedoch, da ist es den Jugendlichen erlaubt, einen Blick auf ein ihnen gänzlich unbekanntes Leben zu werfen. Sie dürfen alle Arten von Technik ausprobieren, moderne Kleidung tragen, angesagte Musik hören, also schlicht ein Leben testen, das für den Großteil der Menschen ganz normal ist. Danach entscheiden sie, ob sie bei ihrer Gemeinschaft bleiben oder doch lieber in einer modernen Welt leben möchten. Allerdings gibt es durchaus Grenzen beim Rumspringa. Sie dürfen kein Auto fahren, nicht rauchen oder Drogen nehmen. Auch ausgiebiges Feiern in Klubs oder Parties sind nicht erlaubt.
Einen besonderen Wettbewerb gibt es in Finnland. Seit 1992 findet hier die Meisterschaft im „Ehefrauen-Tragen“ statt. In Sonkajärvi werden die Frauen über die Schulter geworfen und knapp 255 Meter weit getragen. Dieser Test in Schnelligkeit und Ausdauer wird im besten Fall mit dem Gewicht der Teilnehmerinnen in Bier vergütet. Mehr als 200 Pärchen aus 18 Ländern haben 2025 teilgenommen. Die Strecke hat aber durchaus ihre Tücken. Es gibt insgesamt drei Hindernisse, die mit der Frau auf dem Rücken überwunden werden müssen. Zwei davon an Land und eine weitere besteht aus einer ein Meter tiefe Wassergrube.
In Mexiko wird mehr Wert auf Spaß gelegt. Zumindest bei der „La-Mordida-Tradition“. Es handelt sich beim ersten Blick um eine normale Geburtstagsfeier. Mit Geschenken, Freunden und Kuchen. Allerdings sind die Hände des Feiernden hinter seinem Rücken zusammengebunden. Wenn der Ausspruch „Mordida! Mordida! Mordida!“ zu hören ist, wird es für das Geburtstagkind unangenehm. In diesem Zusammenhang bedeutet „Mordida“ so viel wie „einen großen Happen nehmen“. Und das geschieht dann auch. Die Torte wird richtiggehend in den Mund des Feiernden gestopft. Die Leckerei besteht normalerweise aus viel Creme und man kann sich ausmalen, wie der Ehrengast am Ende aussieht.
Thailand scheint ein Herz für Affen zu haben. In Lopbury findet jährlich im November das „Monkey Buffet Festival“ statt. Dabei werden Tausende Affen zu einem Buffet aus etwa vier Tonnen frischen Früchten und Gemüse eingeladen. Zur Eröffnung tanzen Einwohner in Affenkostümen in dem etwa 150 Kilometer von Bangkok entfernten Ort. Bei der Feier lassen sich circa 3.000 Affen das eigens für sie an örtlichen Tempeln angerichtete Mahl schmecken.
Als zukünftige Eheleute sollte man Schottland vielleicht meiden. Dort gibt es die „Blackening ceremony“. Die Verlobten werden erst mit einer klebrigen Flüssigkeit beschmiert (meist Melase) und dann mit Federn, Mehl oder Ruß dekoriert. Damit sollen sie auf die harten Zeiten in der Ehe vorbereitet werden. Das Paar wird erst von zu Hause oder ihrer Arbeitsstelle abgeholt und aneinandergebunden zu einem öffentlichen Platz gebracht. Dort kommen dann die klebrigen Zutaten zum Einsatz. Die so „geschmückten“ Verliebten werden anschließend in einem Karren durch die Stadt gefahren. Manchmal müssen sie sogar in diesem Aufzug kleinere Spiele über sich ergehen lassen oder gemeinsam etwas trinken.
Den „Dia de los Muertos“ kennen inzwischen fast alle. Dabei werden in Mexiko die Verstorbenen geehrt. Dem Volksglauben nach kehren sie aus der anderen Welt zurück und verbringen einige Zeit im Haus ihrer Familie. Dort wird ihnen mit einem Altar, der mit ihren Lieblingsstücken geschmückt ist, gedacht. Bei einem indigenen, relativ isoliert lebenden Volk in Venezuela geht man noch einen Schritt weiter. Der Stamm der Yanomami im Amazonas ehrt die Vorfahren mit dem Verzehr einer ganz besonderen Suppe. In einem heiligen Ritual wird die Asche der Verstorbenen in eine spezielle Kochbananensuppe gegeben, die dann im Kreise der Familie verzehrt wird. Dadurch soll der Seele der Übergang in das Reich der Verstorbenen erleichtert werden und die Verbindung zu den lebenden Familienmitgliedern gestärkt werden.
Hier noch einige Links zu österreichischen Traditionen:
Das Palmlattenaufstellen in Tirol
Das Hundsstoa Ranggeln in Salzburg
Der Glöcklerlauf in Oberösterreich
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Quellen:
https://tomatina.eu/de/tomatenfest-spanien/
https://runningmagazine.ca/the-scene/u-s-couple-makes-history-at-wife-carrying-world-championships/
http://whatsupsancarlos.com/mexican-birthday-traditions/
https://www.thailand-spezialisten.com/thailand-informationen/festivals/monkey-buffet/
https://www.therealityreports.com/2025/03/the-blackening-ceremony-unique-scottish.html
https://www.jesus-info.de/was-duerfen-amish-bei-rumspringa/
https://wolfgangstaudt.de/die-yanomami-des-amazonas-kultur-und-braeuche/
Fotos: Ingrid Müller


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