Das Ranggeln gilt eine der ältesten Sportarten in den Alpen. Zwei Männer versuchen sich dabei gegenseitig zu Boden zu ringen. Sobald einer mit beiden Schultern den Untergrund berührt, hat er verloren. Seit 2010 ist der Sport in der Naturarena auf dem Gipfel des Hundstein immaterielles UNESCO Weltkulturerbe.
Viele Zuschauer haben dem Nieselregen getrotzt und sich am Plateau des 2117 Meter hohen Berges eingefunden. Neben einigen Touristen sind es hauptsächlich Einheimische, die lautstark die Kämpfer anfeuern. Wer wird dieses Jahr beim Jakobiranggeln den Titel „Hagmoar“ erringen? Der Wettkampf um die Medaille und das Siegerfähnchen beginnt nach dem Kommando des „Schermtax“. So wird der Schiedsrichter bei dieser Sportart genannt. Beim Ranggeln muss es flott gehen: Die Gegner haben jeweils nur maximal sechs Minuten Zeit, den Sieg zu holen.
Dabei werden unterschiedliche Taktiken eingesetzt. Seit einigen Jahren sind auch Griffe aus dem Judo im Repertoire der Ranggler. Jegliche Neuerung wird allerdings von vielen Zuschauern eher kritisch betrachtet. Immerhin handelt es sich beim Ranggeln um eine mehr als sechshundert Jahre alte Tradition.
Schon seit 1390 gibt eine frühe Form dieses Wettkampfes. Das geht aus dem 1512 erschienenem „Fecht- und Ringbuch“ von Albrecht Dürer hervor. Es enthält Abbildungen und Erklärungen von Wurftechniken aus dem Mittelalter. Der unter anderem in dem Buch vorgestellte „Kreuzwurfes“ wird auch heute noch genauso ausgeführt.
Auch wenn das Ranggeln manchmal als „Bäuerliches Jiu Jitsu“ bezeichnet wird, so gibt es doch einige gravierende Unterschiede. So dürfen beim Ranggeln keine Schmerzgriffe verwendet werden. Auch das beim Jiu Jitsu durchaus übliche Würgen ist ein no-go beim Ranggeln.
Um zu gewinnen, sollte man sich allerdings nicht zu sehr auf die Griffe konzentrieren. Hier zählt vor allem Schnelligkeit und Kreativität. Niemand weiß das besser als der Schermtax. Immerhin muss er schon mehrfach „Hagmoar“ gewesen sein, um diesen Posten zu bekommen.
Das Ranggeln ist keine nur auf den Salzburger Raum beschränkte Sportart, es wird unter anderem auch in Tirol und Bayern praktiziert. In Kärnten und der Steiermark ist es als „Ringen“ bekannt und die Schweizer bezeichnen es als „Schwingen“.
Beim Ranggeln darf man nicht zimperlich sein. Denn ob Regen oder Schnee, die Männer treten bei jeder Witterung gegeneinander ein. Die Teilnehmer kämpfen barfuß und in Pfoad (Hemd) und Hose aus Leinen. Dabei geht es um die Ehre, ein Jahr den Titel „Hagmoar“ tragen zu dürfen. Mit Sprüchen wie „Was kost´ so a Feder“ oder „Du magst auch dei´ Feder vom Hut aberdoan“ versuchen sich die Kontrahenten gegenseitig aufzustacheln. Das geht auf die Zeit im frühen 19. Jahrhundert zurück, wo der Gewinner eine „Schneidfeder“ („Schneid“ steht für Mut) vom Hahn als Hutschmuck bekam.
Zu der Zeit wurden die Kämpfer vorab nach Waffen wie Messern oder Schlagringen durchsucht. Damals wurde der Wettbewerb auch dazu genutzt, Streitigkeiten um Mädchen endgültig zu klären. Dass dies jetzt kein Thema mehr ist, zeigt auch, dass es einmal einen Geistlicher gab, der den Titel Hagmoar errungen hat. Laut dem Buch „Hundstoa Ranggeln“ von Günther Heim hat ein Pater 1978 erst die Bergmesse gelesen, machte dann beim Ranggeln mit – und gewann.
Genau wie dieses Jahr der 34-jährige Christopher Kendler aus Saalbach Hinterglemm. Er setzte sich gegen 103 Kontrahenten durch. Mit seiner Kürung zum Hagmoar 2025 geht das diesjährige Jakobiranggeln ohne Zwischenfälle zu Ende.
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Quellen:
Besonderes Dankeschön an Obmann Johann Bernsteiner
Buch: Hundstoa Ranggeln von Günther Heim, erschienen im Tauriska Verlag (ISBN: 978-3-901257-45-2)
Gespräche und Erfahrungen beim Hundstein Ranggeln am 27. Juli 2025
Fotos: Ingrid Müller


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