Bis zu neun Meter hohe Holztürme brennen lichterloh – und die Feuerwehr steht tatenlos daneben. Ein Skandal!? Nein. Eine uralte Ostertradition in Salzburg. Hier gehen jedes Jahr zu Ostern zahlreiche hölzerne Bauten in Flammen auf.
Das Lungau begrüßt mich mit Nieselregen, als ich am Karsamstag Nachmittag ankomme. Trotzdem bekomme ich schon einen kleinen Vorgeschmack auf das kommende Spektakel: In mehreren Teilen der Salzburger Region steigen schon Rauchwolken auf. Die ersten Osterfeuer brennen schon.
In Höf nahe St. Michael im Pongau soll es ein besonders spektakuläres Bauwerk geben. Bei Ankunft am späten Nachmittag steht schon ein kleines Partyzelt und eine Feuerstelle ist auch schon in Betrieb. Mehrere Männer mit Filzhut feiern die Vollendung ihres Bauwerks: Ein riesiger Turm mit einem Kreuz steht auf einer leichten Anhöhe.
Monatelange Arbeit für eine Nacht
Die sechs Freunde haben es sich zum Ziel gesetzt, das Brauchtum in ihrer Region am Leben zu erhalten. Über mehrere Monate hinweg haben sie jeweils an den Wochenenden geschuftet, um den Holzturm rechtzeitig zum Osterwochenende fertig zu bekommen.
Dafür haben sie zahlreiche Fichtenholzstämme von einem nahe gelegenen Sägewerk besorgt und diese etwa 80 Kilogramm schweren Stücke zu einem Turm aufgeschichtet. Das hohle Innere haben sie mit Reisig gefüllt und zum Abschluss ein Kreuz obenauf gesteckt. Und all diese Arbeit wird innerhalb weniger Stunden zu Asche zerfallen sein.
Der Ursprung des Brauchtums
„Es ist eine alte Tradition, die noch auf die Zeit von Maria Theresia zurückgeht“, erklärt mir ein Mitglied der „Brauchtumsgruppe Höf“. Damals hätten die Lungauer mit einer List die einfallenden Franzosen davon abgehalten, ihr Gebiet einzunehmen. Einfach, indem sie Holztürme im Ortsgebiet aufgestellt und diese in Brand gesteckt haben. „So haben die Franzosen gedacht, sie hätten das Gebiet schon erobert und sind abgezogen“, schmunzelt er.
Inzwischen haben sich schon die ersten Zuschauer eingefunden – Zeit, den kleinen Bruder des Osterfeuers anzuzünden. Denn neben der eigentlichen Hauptattraktion steht ein etwa drei Meter hoher zweiter Turm. Das im Vergleich mickrig wirkende Bauwerk gibt aber auch schon enorme Hitze ab. Wie mag es dann erst werden, wenn der große in Brand gesteckt wird?
Je dunkler es wird, desto schöner ist das Feuer. Die Funken steigen nach oben zu den Sternen und scheinen dann herunter zu regnen. Inzwischen sind die Wolken großteils verschwunden, perfektes Wetter also für die Ostertradition. Gegen halb zehn ist es dann so weit.
Das Feuer kommt aus der Pfarrkirche
Mit einer Fackel an einem langen Stab wird das Feuer von der nachgelegenen Dorfkirche zum Anzünden verwendet. Anfangs ziert sich der hölzerne Riese etwas, aber nach wenigen Minuten brennt er lichterloh. Wer jetzt denkt, die Baumeister des Turms hätten nun Feierabend, der irrt.
Die Männer, von denen einige sogar bei der Freiwilligen Feuerwehr sind, haben nun eine heikle Aufgabe. Mit einer langen Stange bugsieren sie die obenauf liegenden Stämme ins Zentrum des Turms. So verhindern sie, dass sie unkontrolliert nach unten fallen und die Brandstelle größer als nötig wird. Das ist eine schwere Arbeit. Denn es ist nicht nur unglaublich heiß, so nah am Brand, es ist auch schwierig, die mehrere Meter lange Stange kontrolliert zu bewegen.
Es herrscht eine sehr vertraute Atmosphäre
Über mehrere Stunden brennt der Turm. Immer wieder werden die Holzstämme ins Innere geschubst. Die Zuschauer aus dem Ort und einige Touristen stehend staunend vor dem riesigen Gebilde. Der extra angeheuerte DJ sorgt für gute Stimmung und das ein oder andere Bier wird auch geöffnet. Sogar ein kleines Lagerfeuer gibt es. Hier werden Würstchen am Stock gegrillt, es herrscht eine sehr familiäre Stimmung.
Nach einigen Stunden ist der Turm verbrannt, das riesige Glutnest wird aber noch einige Tage lang heiß sein. Auch wenn der Turm in Höf wohl einer der größten in der Region war, fleißig waren auch die anderen Gemeinden im Lungau. In fast jedem Ort hat ein Osterfeuer gelodert. Es ist schön mitzuerleben, dass Brauchtum und alte Traditionen so aktiv ausgelebt werden.
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Quellen:
Brauchtumsverein Höf
Eigene Erfahrungen vom 04. April 2026 in St. Michael im Lungau (Salzburg)
Fotocredits
Ingrid Müller


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