Sie sollen die Strippenzieher von Anschlägen sein, die Wirtschaft beeinflussen und ganze Kriege auslösen: die Illuminaten. Was ist wahr und was ist Erfindung? Gab es sie überhaupt?
Es gab weltweit Gruppierungen, die sich als „Erleuchtete“ bezeichnet haben. Der Geheimbund der Illuminaten, wie sie heute bekannt sind, hat überraschenderweise seine Wurzel in Deutschland. Der Kirchenrechtler Adam Weishaupt gilt als Gründer des Geheimbundes. Am 1. Mai 1776 schlug im bayrischen Ingolstadt die Geburtsstunde der Gruppierung. In der heutigen Theresienstraße 23 hat sich der Illuminatensaal befunden. Dort kam es zwischen 1782 und 1785 regelmäßig zu Treffen der Mitglieder.
Zu der Zeit konnte allerdings niemand etwas mit dem angeblich wichtigsten Symbol der Illuminaten anfangen. Das „Allsehende Auge“ wurde erst viel später mit dem Bund in Verbindung gebracht. Eigentlich gehört das zu den Freimaurern. Das echte Symbol der Erleuchteten ist der Minerva. Dabei handelt es sich um eine Eule, die römische Göttin für Weisheit.
Freimaurer und Illuminaten sind nicht dasselbe.
Oft werden die beiden Gruppen gern verwechselt. Dabei sind die Unterschiede deutlich. Die Freimaurer wurden bereits etwa im 16 Jahrhundert gegründet. Ihr Ziel war es, offen Ehre und Ritterlichkeit zwischen den Mitgliedern zu fördern. Den Illuminaten wird nachgesagt, sie wären sehr intelligent und würden versteckt an einer neuen Weltordnung arbeiten.
Eine Verbindung zwischen den Gruppen gibt es dennoch. Der Gründer der Illuminaten war ein Mitglied der Freimaurer. Er ließ sich von dem Bund zur Gründung seiner eigenen Organisation inspirieren. Weishaupt wollte mit den „Perfektibilisten“, wie die Gruppierung sich auch nannte, die Aufklärung vorantreiben. Die Mitgliederzahlen wuchsen stetig. Nach nur vier Jahren waren es etwa 60 Mitglieder, darunter bekannte Namen wie der Freiherr von Knigge oder auch Goethe.
Sie hatten eine andere Zeitrechnung.
Der Geheimbund machte seinem Namen alle Ehre. Die meisten Mitglieder wussten überhaupt nicht, wer noch alles bei den Illuminaten dabei war. Die Korrespondenz mit Angehörigen anderer Ortsgruppen erfolgte ausschließlich anonym. Sie sprachen sich mit Codenamen an, wobei Weishaupt „Spartacus“ war, Knigge wurde mit „Philo“ angesprochen. Auch Orte wurden auf diese Weise verschlüsselt. War in einem Dokument von Athen die Rede, war München gemeint. Damit nicht genug: Selbst das Jahr unterlag einem eigenen Kalender. Hier kam ein persischer Geheimkalender zur Anwendung, der mit der Jahreszahl 632 begann.
Entgegen von Behauptungen in Büchern und Filmen haben die Illuminaten keinerlei Bezug zum „Allsehenden Auge“ oder der Zahl 23. Auch Ambigramme haben keine Rolle in der Organisation gespielt. Von der Struktur des Geheimbundes her hat sich Weishaupt an den Freimaurern orientiert. Jede Unterkategorie hatte neben eigenen Namen auch individuelle Geheimnisse und Initiationsrituale.
Nachdem der Anwärter den Eid „ewiges Stillschweigen in unverbrüchlicher Treue und Gehorsam allen Oberen und den Satzungen des Ordens“ gelobt hatte, kam er erst in der „Pflanzschule“. Hier erfolgte die Einteilung in „Novize“, „Minerval“ und Illuminatus minor (=gering Erleuchteter). Nach einiger Zeit stieg man in die Maurerklasse und schließlich die Mysterienklasse auf.
Totgesagte leben länger.
Politisch gesehen hatten sie trotz relativ geringer Mitleidszahl aber durchaus Einfluss. Bis 1784 saßen großteils Illuminaten beim bayrischen Gremium für Bücherzensur. Daher wurden aufklärerische Schriften gefördert, religiöse, klerikale Werke jedoch verboten. Für die Gründung einer neuen Weltordnung reichte die Anzahl von etwa 1500 Mitgliedern auf dem Höhepunkt des Bundes aber nicht.
Die Gruppierung war bei weitem nicht nur in Deutschland aktiv. Es gab auch in Wien Aktivitäten der Illuminaten. Hier waren viele Mitglieder der Freimaurerloge „Zur wahren Eintracht“ als Erleuchtete aktiv. 1782 wurden Stützpunkte in Innsbruck und Salzburg gegründet. Aber auch im tschechischen Prag, Brünn und Troppau war der Geheimbund zu finden.
In Deutschland wurde die Organisation schließlich ab 1784/1785 als staatsgefährdend verboten. Die Mitglieder verloren ihren Job und wurden teilweise sogar in Gefängnisse gesteckt. Es gab zwar noch einige kleinere Ableger außerhalb von Bayern, aber die Zahl war verschwindend gering. Mit dem deutschen Verbot ging auch der Niedergang in Österreich einher.
Im August 1787 wurde sogar die Rekrutierung von neuen Illuminaten unter Todesstrafe gestellt. Nur kurz darauf machte dann die Theorie die Runde, dass die Französische Revolution von dem Geheimbund angezettelt worden war. Das war der Anfang einer ganzen Reihe von angeblichen Machenschaften der „Erleuchteten“.
Der Arm der Illuminaten reicht weit - angeblich.
Sie sollen für eine ganze Reihe von Geschehnissen verantwortlich sein. So wird dem Geheimbund neben der Einflussnahme auf die Entstehung der USA auch die Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy zugeschrieben. Außerdem sollen sie auch heute noch Einfluss auf die Politik haben und Börsenkurse (Wallstreet) haben.
All diese Verschwörungstheorien wurde allerdings erst durch ein Sozialexperiment eines Autorenduos in den 1960ern möglich. Robert Anton Wilson und Kerry Thronley schrieben Leserbriefe an verschiedene Magazine (unter anderem auch den Playboy). Unter Pseudonymen schreibend setzten sie allerlei Verschwörungstheorien in die Welt. So auch, dass die Illuminaten die Fäden bei verschiedenen aktuellen Ereignissen ziehen würden. Dadurch brachten sie den Bund wieder ins Gespräch.
Später veröffentlichten sie gemeinsam mit Robert Shea die Romantrilogie „Illuminatus!“. Die satirischen Geschichten sind gespickt mit fiktiven Verschwörungstheorien rund um den bayrischen Geheimbund. Aus den in den 1970er-Jahren veröffentlichen Büchern entsteht sogar ein Bühnenstück. Die vermeintliche Illuminatenzahl 23 hat ebenfalls ihren Ursprung in diesen Werken.
Durch Social Media und diverse Prominente lebt der Illuminaten Kult auch mehr als 300 Jahre nach dessen Ende weiter. Schlagzeilen wie „Jay Z und Beyoncé sind Mitglieder der Illuminaten“ befeuern Verschwörungstheorien rund um den Geheimbund. So wurde aus einer gerade einmal zehn Jahre existierenden bayrischen Organisation ein weltweites, noch immer andauerndes Phänomen.
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Quellen
https://www.britannica.com/topic/illuminati-group-designation
https://www.differkinome.com/articles/movements/difference-between-illuminati-and-freemasons.html
https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/1091663
https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Illuminaten
https://rawarchives.org/1966/07/01/letters-to-the-playboy-forum/
Bilder: Gemeinfrei/Public Domain
Schriftzug Illuminaten: Von Björn Wichmann – Eigenes Werk, GFDL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12839778


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