Ein Mann vor einer durch Farbstränge dargestellten indischen Flagge. Er streckt die Arme aus. Er trägt Bart,graues Shirt und Bluejeans

Wer ist King Khan?

Seine Filme spielen zig Millionen ein, einer davon hält den Rekord des am längsten laufenden Filmes seines Landes. Der Mann hat mehr Fans als Tom Cruise, besitzt ein eigenes Cricket Team und wird von seinen Fans liebevoll „King Khan“ genannt. Die Rede ist von einem der größten Filmstars unsere Zeit: Shahrukh Khan.

In Indien werden etwa doppelt so viele Filme produziert als in Hollywood. In dieser enormen Unterhaltungsindustrie mit Namen Bollywood steht ein Mann ganz oben. Shahrukh Khan (SRK) begann seine Filmkarriere als echter Underdog. Denn anders als viele andere Stars kam er nicht aus einer langen Dynastie von Schauspielern.

Seine Wurzeln

Meer Taj Mohammed, der Vater von Shahrukh, starbt schon früh. Aber er hat einiges an Charakterstärke von seinem Vater geerbt. Meer war der Jüngste aus einer fünfköpfigen paschtunischen Familie. Sein erklärtes Berufsziel war Rechtsanwalt. Um das zu erreichen, ging er mit gerade mal 16 Jahren ganze 942 Kilometer zu Fuß nach Delhi. Dort angekommen hat er die ersten Jahre seines Jurastudiums an einer Uni für Mädchen studiert. An der regulären Uni war einfach kein Platz mehr frei gewesen.

Shahrukh beschreibt seinen Vater als „sanften Riesen, einen belesenen Mann, der sechs Sprachen beherrschte. Seine angeborene Ehrlichkeit machte es ihm schwer, Geschäfte zu machen. Nach seinem Studium kehrte er nach Delhi zurück und nahm dort für kurze Zeit ein politisches Amt an. Er merkte schnell, dass ihm dies nicht lag und so stieg er ins Speditionsbusiness ein. Kurz darauf lernte er mit 29 Jahren die damals 16-jährige Fatima kennen, die Mutter von SRK. 

Etwa fünf Jahre nach der Erstgeborenen Sheenaz Lala Rukh, kommt Shahrukh am 2 November 1965 zur Welt. Als in den frühen 1970ern die Firma seines Vaters bankrott geht, macht dieser einen Teestand auf, in dem auch sein kleiner Sohn immer wieder mithilft. Doch mit dem Geschäftssinn von Meer stand es nicht zum besten. Er schlittert von einem Bankrott in den nächsten. Nach der Spedition, dem Teestand und einem Möbelladen betreibt er einige Zeit eine Kantine an der „National School of Drama“.

Lateef Fatima hatte studiert und arbeitete als Sozialarbeiterin. Auch sie wechselt den Job und wird Jugendrichterin. Zusätzlich besitzt sie ein Restaurant, in dem auch andere Familienangehörige mitarbeiten. Das Verhältnis von Shahrukh zu seiner Mutter ist sehr eng. Sie waren mehr beste Freunde als Mutter und Sohn. Durch Fatima kommt der Junge auch das erste Mal mit dem Kino in Berührung. Sie verspricht ihm einen Kinobesuch, wenn sich seine Schulnoten verbessern würden.

Filmplakat des Retrofilmes Baadsha. Man sieht einen mann mit einer Pilotenmütze, links und rechts davon stehen zwei langhaarige Frauen im Kleid. Der Mann in der Mitte ist bewaffnet. Die drei stehen vor einem gelben Kreis, der inmitten eines lilafarbenen Feldes Steht. Darüber steht in grünen Lettern "Retro Film Festival". Unter den Menschen, in Hüfthöhe, steht in Gelb "Baazigar"
Einer der ersten Filme von SRK: Baazigar aus dem Jahr 1993.
Ein Mann in schwarz gekleidet, steht vor einer verschneiten Landschaft und streckt die Arme aus. Er trägt eine dunkle Sonnenbrille.
Mit dieser Geste ist Shahrukh berühmt geworden.

Verantwortung, Integrität und Unabhängigkeit

SRK lernt von seinem Vater schon als Kind zu seinen Verpflichtungen zu stehen. Der Schauspieler erinnert sich, dass eines Abends ein betrunkener Mann mit einem Messer vor der Tür der Familie stand. Wutentbrannt brüllte er nur „Dein Sohn hat meinen Sohn verletzt. Ich bring ihn um!“. Meer fragte den Kleinen, ob er tatsächlich einem anderen Jungen wehgetan hatte. Als er bejahte, schickte er ihn zu dem vor Wut schäumenden Mann nach draußen. Der damals vierjährige entschuldigte sich bei dem Betrunkenen mit dem Messer. Dieser war von der Ehrlichkeit der Entschuldigung des Kleinen beeindruckt, murmelte nur ein paar Worte und ging wieder. „Mein Vater hat mir beigebracht, für mich selbst einzustehen. Wenn ich in Schwierigkeiten geraten bin, musste ich selbst einen Ausweg finden“, erklärt er.

SRK geht auf die St. Columba´s Boys Highschool, auf der strenge Regeln herrschen. Für Fehltage musste ein Schreiben von den Eltern vorgelegt werden. Konnte man das nicht, gab es Schläge. Shahrukh begeistert sich in der Schule hauptsächlich für Sport und spielt erfolgreich Fußball, Cricket und Hockey. So gut, dass er in allen drei Sportarten Mannschaftskapitän wird. Seine Leidenschaft für Theater ist damals schon erwacht. Er spielt an der Highschool in Theateraufführungen mit (z. B.. Der Zauberer von Oz)

Als Shahrukh ein Teenager ist, wird bei seinem Vater Krebs diagnostiziert. Die Krankheit schreitet rasch voran. Innerhalb weniger Monate kann Meer nicht mehr sprechen und muss alles aufschreiben, was er mitteilen möchte. Als eines Tages im Jahr 1981 das Krankenhaus anruft und die Todesnachricht übermittelt, sagt Shahrukhs Mutter nur zu ihm: „Komm, Dein Vater will sich sehen“ Sie bringt es einfach nicht übers Herz, ihrem Sohn die Wahrheit zu sagen.

SRK weint nicht über den Verlust. Aber er fühlt sich vom Leben betrogen, weil ihm sein Vater so früh genommen worden war. 

Das Ende einer Karriere ist der Beginn der nächsten.

Sport spielt damals die wichtigste Rolle in Shahrukhs Leben.. Das ändert sich jedoch schlagartig, als er beim Fußballspielen eine Verletzung an der Wirbelsäule erleidet. Damit ist es vorbei mit der erhofften Karriere als Profispieler.

Im Hans Raj College will er eigentlich Regie studieren, es ist jedoch nur ein Studienplatz für Schauspiel frei. Also schreibt er sich einfach für diesen Kurs ein. Ab 1984 ist SRK dann Teil der Theatergruppe der Schule. (TAG: Theater Action Group). 

Die Gruppe hat viele Auftritte. So auch in einem Mädchencollege. Im Publikum sitzt eine ganz besondere Zuschauerin. Gauri Chibber, seine zukünftige Frau. Sie findet den Typen auf der Bühne damals allerdings ziemlich hässlich. Selbst bei der zweiten Begegnung auf einer Party springt der Funke nicht über. Die beiden laufen sich einige Male über den Weg, bis endlich Romantik in der Luft lag. 

Shahrukh wohnt damals noch immer zu Hause bei seiner Mutter. Sie hat von einer passenden Wohnung gehört und einen Termin mit einem Makler arrangiert. Dieser zeigt dem jungen Inder nicht nur ein Apartment, sondern stellt ihm auch seinem Schwiegervater vor, der Darsteller für eine neue Produktion sucht. So kommt der zukünftige Star an seine erste Fernsehrolle. In der erfolgreichen Serie „Fauji“ geht es um den Alltag in der indischen Armee. 

Obendrauf kommen noch einige Anfragen für Werbespots und andere kleinere Rollen. Doch trotz dieses Erfolgs in der Industrie studiert er weiter und macht seinen Abschluss in Economics (Wirtschaft). Er beginnt sogar ein Studium in Massenkommunikation, das er dann aber abgebrochen hat. Schon bald hat er das erste Filmangebot auf dem Küchentisch liegen.

Beziehungsprobleme

Durch seinen Erfolg vor der Kamera hat er immer weniger Zeit für Gauri. Sie ist außerdem über seine Berufswahl nicht begeistert. So übt SRK seinen Beruf eine Zeit lang heimlich aus und hofft, dass keine gemeinsamen Bekannten ihn in einem Theaterstück wieder erkannten. 

SRK ist sich über den Status der Beziehung nicht mehr sicher und beginnt eine ungesunde Besessenheit zu Gauri zu entwickeln. Er ist sehr eifersüchtig und mag es nicht, wenn sie mit anderen Leuten spricht oder auch nur ihr Haar offen trägt. Dieses besitzergreifende Verhalten ist irgendwann zuviel für Gauri.

Sie geht alleine nach Bombay (Mumbai), um nachzudenken. Shahrukh ist todunglücklich und so gibt ihm Lateef damals 10.000 Rupien, um sie wieder zurückzuholen. Also machen sich SRK und einige Freunde auf, Gauri zu suchen. Als er sie schließlich an einem Strand sieht, fallen sie sich in die Arme. Er hat begriffen, dass sein Verhalten falsch war. Und er verstand, dass niemand Gauri je so sehr lieben könnte wie er es tat.

Wieder zu Hause entwickelt sich seine Karriere rasant und schon bald kann er nicht mehr zwischen Delhi und Mumbai pendeln. Er entscheidet sich, in die Filmhauptstadt des Landes zu ziehen. In Mumbai ruft er die ikonischen Worte „Eines Tages werde ich diese Stadt beherrschen“ als Versprechen an sich selbst in den Himmel.

Dieser Enthusiasmus wird in den darauf folgenden Drehtagen richtiggehend zerschmettert. Hier läuft alles anders als in Delhi. „Ich fühlte mich wie der schlechteste Schauspieler aller Zeiten“, erinnert sich King Khan. Doch in der Schauspielerei ist es wie bei allem in Leben: Übung macht den Meister. 

Eine Frau in hellgrünem Sari und ein Mann in schwarzem Anzug stehen mit Regenschirm rechts neben einer Bronzestatue. Sie zeigt ein Pärchen das tanzt.
Diese Statue in London soll den Film DDLJ ehren. Er lief 27 Jahre ohne Unterbrechung täglich im Kino.

„Ich hoffte auf nichts mehr“.

Schon beim nächsten Projekt, der Serie „Circus“ läuft es besser. Als er mitten unter den Dreharbeiten ist, erreicht ihn die Nachricht, dass es seiner Mutter nicht gut geht. Eine Wunde am Bein hat sich entzündet. Die daraus folgende Blutvergiftung musste im Krankenhaus behandelt werden. Dort verschlechtert sich ihr Zustand kontinuierlich. Shahrukh arbeitet damals nonstop, um die Krankenhauskosten zahlen zu können.

Als seine Mutter immer wieder in die Bewusstlosigkeit abdriftet, weicht er nicht mehr von ihrer Seite und schläft sogar neben ihr im Krankenhaus. Nach zwei Monaten im Koma stirbt sie im Jahr 1991. „Der Tod meiner Mutter ließ mich erkennen, dass nichts für die Ewigkeit ist. Ich hoffte auf nichts mehr und habe viel geweint“, erinnert er sich. 

Im gleichen Jahr dreht er mit „King Uncle“ seinen ersten Film. Daraufhin folgen viele weitere. Die Medien nehmen inzwischen auch Notiz von ihm und sind sehr angetan von seinem frechen Auftreten. Er bringt mit seiner Art frischen Wind nach Bollywood.

Der Heiratsantrag von SRK an seine Gauri läuft ebenso ungewöhnlich ab wie ihr Kennenlernen. Nach einem Date setzt er sie an ihrem Haus ab und sagt, dass er sie heirate werde. „Ich habe nicht einmal ihre Antwort abgewartet und bin davongefahren“, erinnert sich SRK. Kleiner Spoiler: Sie hat ja gesagt.

Da SRK inzwischen in Mumbai wohnt, versucht er die Beziehung telefonisch am Laufen zu halten. Er ruft Gauri jeden Tag von einer Telefonzelle aus einem Vorort an. Sie kann sich nach wie vor mit seiner Berufswahl nicht anfreunden. So verlaufen die Gespräche meist ziemlich einseitig. Erst seine Ankündigung, Gauri nach der Hochzeit nach Mumbai zu holen, entschärft die Situation etwas.

Im Oktober 1992 heiratet der Moslem Shahrukh die Hindu Gauri Chibber. Eine religionsübergreifende Ehe ist eine große Sache in Indien. Die Zeremonie wird in hinduistischer Tradition durchgeführt. Gleich am nächsten Tag holt sie schon der Alltag ein. SRK muss zu Dreharbeiten nach Mumbai, für Flitterwochen bleibt keine Zeit.

Es dauert lange, bis Gauri sich dazu durchringen kann, die Filme ihres Mannes anzusehen. Sie tut sich schwer mit dem Showbusiness und verschließt sich bei gesellschaftlichen Events. Das wird erst anders, als sie dem Regisseur Karan Johar im Jahr 1995 begegnet. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten verstehen sich die beiden dann bei den Dreharbeiten zu „Dilwale Dulhania Le Jayenge“ (DDLJ) in Frankreich hervorragend. 

Familiengründung

Zwei Jahre später werden Shahrukh und Gauri das erste Mal Eltern. Die Geburt von Aryan ist schwierig, Gauri braucht einen Kaiserschnitt. Enge Freunde des Paares erinnern sich an einen völlig aufgelösten Shahrukh, der damals weinend und betend durch die Gänge des Krankenhauses läuft. 

So traumatisch das Erlebnis war, so schnell war es beim Blick auf den kleinen Jungen vergessen. Die Familie bekommt im Mai 2000 nochmals Zuwachs. Die kleine Suhana erblickt das Licht der Welt. Kurz zuvor war die Familie in ihr Traumhaus gezogen. Die „Villa Vienna“, die SRK seiner Frau bei einem Strandspaziergang einige Jahre zuvor versprochen hatte, ist jetzt ihr Zu Hause. Das Gebäude ist auch als „Mannat“ bekannt. 

Zwei Männer sehen ernst in die Kamera. Der linke ist ein junger Mann mit kurzem, schwarzen Haar. Rechts ein älterer mit kurzem Bart und Sonnenbrille. Er trägt schwarze Kleidung und hat sein Haar ähnlich wie der jüngere.
Aryan und sein Vater Shahrukh
Ein Mann mit Sonnenbrille und kurzem Bart sieht in Richtung Kamera. Hiner ihm unzählige Leute, teils mit Handy.
Jedes Jahr zum Geburtstag von SRK spielen sich in Mannat solche Szenen ab.

2013 kam der zweite Sohn, AbRam mithilfe einer Leihmutterschaft zur Welt. Das Paar hat sich darauf geeinigt, den Nachwuchs sowohl in muslimischen als auch im hinduistischen Glauben aufzuziehen. Die beiden älteren Kinder scheinen die Showbiz-Gene ihres Vaters zu haben und liefern ihm karrieretechnisch schon nach. Aryan hat mit seinem Debüt als Regisseur für die Serie „The Ba****ds of Bollywood“ sogar schon einen Award bekommen. (Best Debutant Director of the Year)

King Khan und Gauri haben in eine gemeinsame Filmproduktionsfirma (Red Chilies Entertainment) investiert. Im Jahr 2007 ging es für SRK zurück zu den Wurzeln. Er war wieder im Fernsehen zu sehen, als er eine Saison lang den Quizklassiker „Wer wird Millionär“ in Indien moderiert. Shahrukh ist seit 2008 auch Miteigentümer eines Teams der indischen „Premier Cricket League“, der „Kolkata Knight Riders“ (KKR)

Ein Mann in schwarz unter vielen anderen Menschen. Alle tragen ein lilafarbenes Trikot mit KKR drauf.
SRK ist stolz auf sein Criket Team: Die Kolkatta Knight Riders

Er dreht auch politische Filme.

Auch wenn der Großteil seiner Filmografie aus romantischen Streifen besteht oder dem Actiongenre angehört, er dreht auch Herzensprojekte mit tiefer Bedeutung. „Dil Se“ (über politische Randgruppen) oder „Swades“ (Umweltthema) sind solche Filme.

My Name Is Khan“ ist ebenfalls einer der eher ungewöhnlicheren Filme. Dabei geht es um die Diskriminierung von Moslems nach den Anschlägen des 11. September 2001. Der Schauspieler selbst wurde dreimal daran gehindert, in die Vereinigten Staaten einzureisen, da sein Name auf der Terror-Watchlist der Flughäfen stand.

Zu seinen bekanntesten und erfolgreichsten Filme zählen

  • Darr
  • Dilwale Dulhania Le Jayenge (DDLJ),
  • Kabhie Kush Kabhie Gham (K3G),
  • Kuch Kuch Hota Hai
  • Dil Se
  • Devdas 
  • Don
  • Kabhie Alvida Na Kehna (KANK) 
  • Raes.

Seine schauspielerische Leistung wurde unter anderem mit acht Filmfare Awards gewürdigt. Er hat den vierthöchsten Preis für Zivilisten, den Padma Shri, im Jahr 2005 erhalten und in diesem Jahr den National Film Award.

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