Der Ku-Klux-Klan ist eine Organisation, die für Hass und Unterdrückung steht. Die weiße Vorherrschaft soll gestärkt werden, während vor allem Schwarze und politische Gegner die erklärten Gegner sind. Und wer jetzt denkt, das sei alles schon seit Jahrzehnten Vergangenheit, der irrt. Es gibt den KKK nach wie vor.
Ein wenig Geschichte
Kurz nach der Wahl von Abraham Lincoln zum US-Präsidenten haben sich 1861 elf Staaten von den Vereinigten Staaten von Amerika abgespalten. Diese südlich gelegenen Landesteile waren umgangssprachlich auch als „Sklavenhalterstaaten“ bekannt. Der so entstandene Staat wurde als „Konföderierten Staaten von Amerika“ bezeichnet und von keinem Land weltweit anerkannt. Vier Jahre später, 1865, als in den USA die Sklaverei abgeschafft wurde, existierte er schon nicht mehr.
Nur ein Jahr nach dem Ende der „Konföderierten Staaten“ wurde 1866 der Ku-Klux-Klan (KKK) in Pulaski, Tennessee gegründet. Es begann als einfacher Zusammenschluss von konföderierten Veteranen. J. Calvin Jones, Frank O. McCord, John B Kennedy, James R. Crowe, Richard R. Reed und John C Lester waren höchst unzufrieden mit der damaligen Situation und wollten für die Vorherrschaft der weißen Rasse kämpfen.
Zusätzlich wollten den Mitglieder des KKK die neu erworbenen Rechte der schwarzen Bevölkerung torpedieren. Überhaupt das Wahlrecht war ihnen ein Dorn im Auge. Um ihre Ziele zu erreichen, griffen sie zu Einschüchterung und schreckten auch vor Gewalt gegenüber den befreiten ehemaligen Sklaven nicht zurück.
Es gab nicht nur den einen KKK
Durch die allgemeine Unzufriedenheit nahm die Popularität des Klans schnell zu. Es wurden mehr als vierzig verschiedene Sprengel gegründet, die alle ihr eigenes Hauptquartier hatten. Es hat also nicht „den einen“ Ku-Klux-Klan gegeben. Insgesamt waren damals etwa 5.000 Menschen in der Vereinigung.
Zusätzlich entstand in den ehemaligen Sklavenhalterstaaten eine ähnliche, wenn auch nicht so bekannte Organisation. Die „Ritter der weißen Kamelie“ verfolgte die gleichen Ziele und wurde im Jahr 1867 in New Orleans gegründet. Die Gruppierung weitete sich rasch über mehrere südliche Bundesstaaten aus. Die Organisation agierte weniger öffentlichkeitswirksam und war auch nicht so gewaltbereit wie der Ku-Klux-Klan. Dies könnte einer der Gründe sein, warum es die Ritter der weißen Kamelie schon drei Jahre später nicht mehr gab.
Damit sie bei ihren brutalen Aktionen nicht identifiziert werden konnten, trugen die Mitglieder des KKK Masken. Die bekannten weiße Roben und spitz zulaufende Masken wurden erste später in der Organisation benutzt.
Im Schutz dieser Anonymität vollbrachten sie Gräueltaten an befreiten Sklaven, aber auch an ihren weißen Unterstützern. Sie peitschten ihre Opfer aus, folterten sie und töten viele von ihnen. Ihren Höhepunkt hatte die Gruppe in der Zeit zwischen 1868 und 1870. Zu der Zeit ereignete sich auch ein Vorfall, der gut dokumentiert ist, da er 1871 dem Kongressausschuss von Atlanta, Georgia vorgetragen wurde.
Tod oder Verstümmelung?
Henry Lowther, ein schwarzer Farmer, wurde von Mitgliedern des Ku-Klux-Klan entführt und in einem entlegenen Sumpfgebiet vor die Wahl gestellt. Kastration oder Tod. Er wählte die Kastration. Nachdem er von seinen Peinigern mit einem Messer verstümmelt worden war, schleppte sich der Mann noch mehr als zwei Kilometer bis zu einem Haus. Kurz vor dem Verbluten wurde er dort noch gerettet.
Die exzessive Gewalt der Gruppe war 1869 sogar dem Anführer General Forrest zu viel und er ordnete die Auflösung an. Einige Ableger existierten jedoch noch länger, bis im Jahr 1871 mit dem „Ku-Klux-Klan Act“ der sprichwörtliche letzte Sargnagel vom Kongress eingeschlagen wurde. Als der oberste Gerichtshof den KKK im Jahr 1882 als verfassungswidrig einstufte, war dieser schon so gut wie verschwunden.
Das Wiederaufleben des KKK
Doch wo Unzufriedenheit herrscht, ist immer guter Nährboden für Extremisten. So war es auch 1915 in Atlanta, Georgia. Der Gründer des „Neuen“ Ku-Klux-Klan Oberst William J. Simmons hatte zuerst wenig Erfolg mit seiner Organisation. Als sich jedoch zwei PR Profis, Edward Y. Clarke und Elisabeth Tyler dem Projekt annahmen und den Patriotismus der Bevölkerung ansprachen, wurde der KKK wieder populär.
Dazu hat wahrscheinlich auch die romantisierte Nostalgie für den „alten Süden“ beigetragen. Ein weiterer Punkt war auch die vermeintliche Bedrohung der weißen Bevölkerung durch die Masseneinwanderung, die in den vorangegangenen Jahrzehnten stattgefunden hatte.
So fiel die Ideologie von Angst und Hass des Predigers Simmons auf fruchtbaren Boden. Für zehn Dollar im Jahr (das wären heute etwa 100 Euro) war man Mitglied und konnte seinen Unmut ausdrücken. Und oft genug den Worten auch Taten folgen lassen. In den 1920ern erreichte die Mitgliedsanzahl des KKK mehr als vier Millionen. In der Zeit wurde auch das brennende Kreuz zum Symbol der Organisation. Die maskierten Mitglieder nahmen tagsüber an Aufmärschen und Paraden teil – und verbrannten nachts Kreuze.
Frauen bei den KKK
Es gab sogar einen Ableger des KKK, der sich nur an Frauen wandte. Der „Woman of the Ku Klux Klan“ wurde 1923 in Little Rock, Arkansas gegründet und war schon bald in jedem Staat vertreten. Die aus weißen Prostestantinnen bestehende Organisation nannte sich auch „The Queens of the Golden Mask“. Die Mitglieder der Gruppierung nahm aber, mit wenigen Ausnahmen, weder an Gewaltorgien noch an Lynchjustiz teil.
Geheimer Code
Der Gründer formulierte mit dem Kloran auch das erste offizielle Nachschlagewerk für KKK Mitglieder. Darin sind auch einige Code Wörter der Organisation festgehalten, die zur einfacheren Kommunikation und Interaktion dienten.
- Mit dem Wort „AYAK?“ fand man heraus, ob sein Gegenüber auch der Organisation angehörte (Are You A Klansman – Bist Du ein Mann des Klans?).
- Wurde darauf „KIGY“ erwidert, war alles klar. (Klansman, I greet you – Mann des Klans, ich grüße dich).
- Auch Warnungen wurden mittels Code ausgesprochen. Mit „SANBOG!“ drückte man aus, dass ein Fremder in der Nähe war. (Strangers are near, be on guard – Fremde sind in der Nähe, pass auf).
Gegenwind
Ein Grund für die Vorsicht unter den KKK Mitgliedern war auch die Gründung einer Gegenbewegung. Im August 1923 wurde „The Knights of the Flaming Circle“ von einem italienischen Zahnarzt in Ohio gegründet. Dabei sein konnte jeder, unabhängig von Ethnie oder Religion. Sie trugen auch weiße Kleidung, allerdings mit einem roten Kreis und einem Bild der Unabhängigkeitsstatue versehen. Die „Knights“ trugen keine Masken und markierten die KKK Mitglieder durch das Verbrennen eines Reifens in ihrem Garten.
Mississippi Burning
Während beim KKK des 19 Jahrhunderts das Feindbild fast ausschließlich die schwarze Bevölkerung war, sah man bei der neuen Organisation auch Juden, Immigranten, Homosexuelle und Katholiken als Bedrohung an. Die Popularität des Klans schwankte über die nächsten Jahrzehnte. Während zur großen Depression die Mitgliederzahlen stark sanken, ging es in den 1960ern wieder nach oben. In dieser Zeit hatten Aktivisten versucht, die Einhaltung des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 durchzusetzen. Daraufhin kam es zu Auspeitschungen, Bombenanschlägen und auch Waffengewalt in den südlichen Gemeinden der USA.
Diese historischen Ausschreitungen wurden in dem Film „Mississippi Burning“ thematisiert, der in sieben Kategorien für einen Oscar nominiert wurde. Der Spielfilm basiert auf der Entführung und dem anschließenden Mord an drei Amerikanern durch Ku-Klux-Klan Mitglieder. Die Bürgerrechtler hatten schwarze Bürger überzeugen wollen, sich für die Wahlen einzuschreiben. Zwei wurden daraufhin von Klanmitgliedern erschossen, einer zuvor noch mit einer Eisenkette ausgepeitscht und anschließen hingerichtet.
Von den insgesamt sieben Leuten, die wegen des Verbrechens angeklagt wurden, kamen nur sechs in Haft. Edgar Ray Killen, einer der Angeklagten, ging als freier Mann aus dem Gericht. Der Baptistenpriester konnte der Strafe entgehen, weil die Geschworenen keinen Mann Gottes ins Gefängnis schicken wollten. So lebte der Mann, der auch neue Mitglieder für den KKK anwarb, vierzig Jahre in Freiheit. Bis ein Schwurgericht in Philadelphia durch Druck einer Bürgerkoalition 2009 nochmals Anklage erhob. Der 80jährige wurde verurteil und starb mit 92 Jahren hinter Gittern. Begraben wurde weniger als einen Kilometer von der Stelle entfernt, an der damals der grausame Mord stattgefunden hatte.
Es gibt sie immer noch
Der KKK hat in den USA noch immer großen Einfluss. So ist 1991 mit David Duke ein früherer Ku-Klux-Klan Führer bei den Gouverneurwahlen für Louisiana angetreten. Seine Kampagne verlor jedoch an Rückkhalt, als die Nationale Vereinigung zur Förderung farbiger Menschen (NAACP) damit drohte, einen Wirtschaftsboykott gegen den Staat zu starten, sollte er gewinnen. Sein Kontrahent besiegte ihn. Jedoch erhielt Duke bei der weißen Bevölkerung mehr als 50% der Stimmen.
Heute beträgt die Zahl der Mitglieder in den USA nur noch wenige Tausend. Der Ku-Klux-Klan ist in viele kleinere, teils rivalisierende Gruppen zerfallen. Einige davon haben sich auch mit Neonazis oder anderen extremistischen Organisationen zusammen geschlossen.
Die Ideologie des KKK ist auch in Europa präsent. Der Ableger des Ku-Klux-Klans, die „European White Knights of the Burning Cross“, hat Landesgruppen in Österreich, Deutschland, Schweden, Frankreich, der Schweiz und in Italien.
Gegründet wurde diese Gruppe im Jahr 2007 von einem jahrelang im US amerikanischen KKK aktiven Berliner, der dort als „ehrenwerter Reverend Imperial Wizard“ bekannt war. In der Hierarchie der Organisation ist das die höchstmögliche Position. Seit der Gründer im April 2011 wegen Volksverhetzung und Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen angeklagt wurde, sind zumindest in Deutschland keine Klanaktivitäten mehr bekannt.
In Österreich gab es aktuell KKK-bezogen Vorfälle bei einigen Faschingsveranstaltungen. Einige junge Männer hatten sich im Januar in klanüblicher Kleidung (Kutten und Kapuzen) unter die anderen Besucher gemischt. Ob es sich dabei allerdings um ein tatsächliches Statement des KKK oder doch eher um einen schlechten Scherz gehandelt hat, sei dahingestellt.
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Quellen:
https://www.britannica.com/topic/Ku-Klux-Klan
https://www.tshaonline.org/handbook/entries/knights-of-the-white-camellia
https://studioknow.com/2016/11/code-words-and-vocabulary-of-the-ku-klux-klan/
https://daily.jstor.org/a-brief-history-of-the-womens-kkk/
https://de.thpanorama.com/blog/historia/ku-klux-klan-historia-fases-y-actualidad.html
https://theohioproject.net/history/ohio-and-the-knights-of-the-flaming-circle/
https://web.archive.org/web/20130213070022/http://archive.adl.org/learn/ext_us/kkk/default.asp
Ku Klux Klan Act:
Bilder:
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