Ein hölzernes Bauwerk das an eine Burg erinnert. Es ist eine Nachtaufnahme.

Mittendrin im „Woodstock der Blasmusik“

Es ist eines der größten Festivals der Blasmusikszene. Das Woodstock der Blasmusik zieht über 100.000 Besucher an, die teils vier Tage campen, um kein Highlight zu verpassen. Die Location ist dabei etwas ungewöhnlich: Es findet in einem kleinen Ort in Oberösterreich statt, der nicht einmal 1600 Einwohner hat. Was fasziniert so viele Leute, dass sie dafür teilweise Hunderte Kilometer anreisen?

Zugegeben, ich bin nicht der größte Freund von Blasmusik. Das ist der Grund, warum ich die Veranstaltung in den letzten 13 Jahren komplett ignoriert habe. Wie ich jetzt weiß, war das ein Fehler. Denn entgegen meiner Vermutung, dass beim Woodstock ausschließlich klassische Volksmusik gespielt wird, hört man auch modernere Töne. 

Wenn man sich die Hintergründe der Veranstaltung näher ansieht, merkt man erst, wie riesig alles ist. Mehr als einen Monat vor Beginn wird mit dem Aufbau begonnen. 160 Leute mähen Wiesen, stellen insgesamt 180 Container auf und verlegen 120 Kilometer Kabel auf dem 60 Hektar großen Gelände. Woodstock ist ein organisatorisches Monstrum.

Das Tor öffnet sich.

Anfang Juli ist es dann so weit. Am Donnerstag um 13 Uhr gehen die ersten freudestrahlenden Besucher durch das riesige Holztor. Dabei bekommen sie ein Armbändchen, mit dem sie vor Ort alles zahlen können. Das muss aber zuerst aufgeladen werden, wie ich nach 15 (vergeudeten) Minuten in der Schlange vor einem Pizzaimbiss feststellen musste. An einem Terminal kann man Beträge ab zehn Euro auf den kleinen Chip am Handgelenk speichern. Das geht allerdings nur mithilfe der EC-Karte.

Wem die 6,50 Euro für eine Pizza Margarita zu teuer sind, der kann sich auch in einem am Gelände befindlichen Supermarkt ausstatten. Dort gibt es angefangen von Äpfeln und Tomaten über Aufschnitt und Sandwichbrot bis zum Eis und Gummibärli alles. Natürlich auch Bier. Und das in rauen Mengen.

Eine Halle mit der Aufschrift Stockinger auf dem braunen Giebel. Das Gebäude ist sonst weiß und hausförmig. Zwei weiße Flügeltüren sind offen, vor dem Gebäude stehen mehrere Menschen.
Der Supermarkt Stockinger´s ist eine Institution am Woodstock
Ein Mann mit gelben Raiffeisenumhang hält eine Motorsäge vor seinem Körper. Über ihm ist ein Oranger Badachin
Einer der Wettbewerb: Eine Motorsäge halten

Auf dem Weg zum „Stockinger´s“ kommt man an verschiedenen Buden vorbei. Hier gibts Essen (Pizza, Bosna, Crêpes, Burger..) und man kann bei Spielen teilnehmen. Um beispielsweise ein paar Schlapfen (Hausschuhe) zu gewinnen, muss man eine Motorsäge länger als sein Gegner mit gestrecktem Arm halten. Hört sich einfach an, aber die Dinger sind echt schwer. 

Die Sache mit den Schubkarren

Immer wieder läuft man auch Leuten über den Weg, die eine orange Schubkarre dabei haben. Im ersten Moment kam mir Homer Simpson in den Sinn, der betrunken vom Barkeeper Mo auf diese Weise nach Hause gefahren wurde. Ich möchte zu diesem Zeitpunkt auch nicht ausschließen, dass die Karren zu späterer Stunde eben diesem Zweck dienen werden. Aber derzeit werden damit Instrumente zur Hauptbühne gefahren.

Inzwischen werden die seit dem Morgen über dem Gelände hängenden Wolken immer dunkler. Es dauert nicht lange und die ersten Regentropfen fallen. Ausgerechnet bei einem der Highlights des Woodstock. Um Punkt elf Uhr findet das „Gesamtspiel“ statt. Dabei spielt das Woodstock Orchestra gemeinsam mit allen im Publikum, die ein Instrument dabei haben. Das waren in der Vergangenheit schon mehr als 1000 Musiker, die gemeinsam einige Lieder gespielt haben. Ein erhebendes Erlebnis, das leider in diesem Jahr verregnet wurde. Einige Hundert Musikbegeisterte haben aber dem Schnürlregen getrotzt und trotzdem mitgemacht. 

Ein Riesenrad. Man sieht die bunten einzelnen Gondeln sehr gut. Der Himmel sit bewölkt. Vor dem Rad stehen einige Leute und eine hölzerne Box.
Ein weiteres Highlight am Festival ist das Riesenrad.
Musiker mit ihren Instrumenten im Zuschauerbereich. Sei spielen Trompete oder andere Instrumente. Sie sind eher gelblich angezogen und stehen auf Holzpaletts
Bei diesem Event musizieren die Leute im Publikum mit der Band auf der Bühne

Sogar Australier und Norweger sind angereist

Bei diesem Zusammenspiel merkt man erst, wie international das Festival ist. Zwar kommen 62 % der Besucher aus Österreich, gefolgt von Deutschland und der Schweiz, aber auch Teilnehmer an den Niederlanden, Italien und anderen Ländern sind vor Ort. Nicht weniger spektakulär ist das Lineup. Die 150 Bands kommen aus elf Nationen. Österreich, Deutschland, Schweiz, Slowenien, Italien, Norwegen, Australien, Argentinien, Frankreich, Slowakei und die Niederlande sind hier vertreten. 

Gespielt wird auf neun Bühnen. Wem es zu stressig ist, von einer zur anderen zu laufen, der kann sich einfach ins Café setzen und das Geschehen am Bildschirm verfolgen. Bequem, aber die Liveatmosphäre geht auch flöten. Auf dem Gelände gibt es natürlich noch mehr als nur Essen und Bühnen. Für sieben Euro kann man sich im Riesenrad einen Überblick verschaffen oder man kauft sich Merch. Hier gibt es T-Shirts mit Sprüchen wie „Sex, Drugs and Blasmusik“ oder „Ich brauch kein Tinder – Ich hab Rinder“. Wer allerdings ein dauerhaftes Statement setzen will, der ist beim Hornbach-Koloss richtig. Da gibt es das Woodstock Tattoo Studio.

Ein Besucher mit traditioneller Tracht und Maßkrug in Händen. Er steht vor dem Riesenrad.
Hier läuft man vielen Leuten in Tracht über den Weg.
Ein mann in einem witzigen T-Shirt. Er hat ausserdem eine Lederhose an und steht vor einem Bauzaun.
Ein Beispiel für eines der Spaß Shirts, die man im Shop bekommt

Die "Woodstock Family"

Viele Leute, sowohl die Arbeiter beim Aufbau als auch Künstler, mit denen ich gesprochen habe, betonen, dass sie die familiäre Atmosphäre besonders schätzen. Die meisten sind schon seit vielen Jahren mit von der Partie. Für ihr Engagement werden sie natürlich vom Veranstalter während des Festivals mit Essen versorgt. Die Einkaufsliste für die etwa 9000-köpfige Crew ist dabei beeindruckend: 600 Kilo Salat, 1000 Kilo Kartoffelprodukte, 700 Kilo Gemüse und 80 Kilo Salz (alle Kardiologen: bitte mal drüber hinwegsehen). 

Aber die familiäre Stimmung ist nicht nur bei dem Woodstockteam zu spüren. Die Besucher machen auch schon einmal spontane Sessions und packen am Campingplatz ihre Instrumente aus. Das Verbundenheitsgefühl ist deutlich zu spüren. Das mag zum Teil auch an den relativ üppigen Mengen Bier liegen, aber der Hauptgrund ist wohl, dass die Liebe zur Musik sie zusammenschweißt. 

Einige Musiker sitzen in einem Zelt und spielen
Die Festivalstimmung setzt sich auch am Parkplatz fort
Ein Blick auf die Bühne eines Festivals bei Nacht. Man sieht die lilafarbenen Lampen und das Publikum das gebannt auf die Bühne starrt
Überhaupt am Abend wirkte die Bühne richtig magisch.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Woodstock eine wunderschöne Sache ist. Mann muss kein Hardcore Blasmusikfreund sein, um sich dort wohlzufühlen. Das Festival verbindet Menschen, sie singen und musizieren gemeinsam. Nächstes Jahr wird der 15. Geburtstag gefeiert – und ich bin mir sicher, dass Veranstalter Simon Ertl sich zu diesem Anlass etwas Spezielles einfallen lässt.

Ende Juli halte ich einen Brauchtumsvortrag in Ried im Innkreis. Schaut doch vorbei! 

Ein Flyer. Man sieht im oberen Bereich mehrere Traktoren auf einer Wiese in den Bergen stehen. Darunter weisst der Text auf einen Vortrag über österreichisches Brauchtum hin. Datum und Ort sind genauso angegeben wie ein QR code zum Kartenkauf.

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Sources:

Pressetext vom WdB

Besuch am Festival am 5. Juli 2026

Interviews mit Veranstalter Simone Ertl, Florian Kastenhuber von Brassaranka und einigen Crewmitgliedern

Photos: Ingrid Müller

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