IMG_1573

Asterix, Obelix und die Druiden: Wie war der Alltag der Kelten wirklich?

Die mehr als zweitausend Jahre zurückliegende Ära der Kelten ist auch heute noch Teil unseres Lebens. Halloween, das gerne den Amerikanern zugeschrieben wird, hat seinen Ursprung im keltischen Fest Samhein. Einige Flüsse und Orte beruhen auf den Gottheiten der Kelten (Donau, Attersee oder Mogontiacum, das heutige Mainz). Was gibt es sonst noch über sie zu entdecken?

Die Kelten waren in großen Teilen Europas zu Hause. Der genaue Zeitraum ihrer Ära ist aber schwer festzulegen. Die meisten Wissenschaftler gehen von einem Beginn um etwa 800 vor Christi aus. Um 450 v Chr. bis zur Geburt Jesu erlebten die Kelten ihren Höhepunkt. In dieser Zeit begannen sie, sich bis nach Spanien, Italien und sogar Kleinasien auszubreiten.

Bei den Kelten handelt es sich jedoch nicht um ein Volk, es ist vielmehr ein Sammelbegriff. Er steht für viele verschiedene Stammesgruppen, die zur Eisenzeit nördlich des Mittelmeeres lebten. Besonders faszinierend ist, dass sie trotz ihrer großflächigen Verbreitung von Portugal bis zur Türkei so viele Gemeinsamkeiten hatten. Sie alle benutzten die gleiche Sprache, hatten ein ähnliches Kunstverständnis und nahezu identische Begräbnisriten. Auch ihre Religion und sogar die Methoden der Kriegsführung waren fast gleich. 

Woher kamen sie?

Ihre Ursprünge kann man auf drei eng miteinander verwobene Gruppen zurückführen. Spezielle Begräbnisstätten an der österreichischen oberen Donau sind Teil einer dieser Kulturen. Die dort ansässigen „Ur-Kelten“ stammen aus der späten Bronzezeit. Sie haben ihre Verstorbenen verbrannt und in Urnen begraben. Leider weiß man von diesen Siedlern nahe den Urnenfeldern fast nichts, da es nur wenige archäologische Funde von ihnen gibt.

Außerdem gab es noch die Anhänger der Hallstattkultur. Ihr Reich erstreckte sich über das heutige Westösterreich, Süddeutschland, die Schweiz bis nach Ostfrankreich und sogar in Teile des Balkans. Sie verbreiteten sich höchstwahrscheinlich durch Handel, Eheschließungen und Migration. Aufgrund des reichen Vorkommens an Rohstoffen wie Salz oder auch Eisenerz und Kupfer lebten sie im Wohlstand. Gefundene Grabbeigaben beweisen, dass diese Vorfahren der Kelten viel herumgekommen sind. So wurde den Verstorbenen Gold und Bernsteinschmuck aus Italien und den griechischen Kolonien in Südfrankreich mitgegeben. Im 5 Jahrhundert vor Christus ging diese Ära zu Ende. Man nimmt an, dass die Erschöpfung der lokalen Ressourcen der Hauptgrund war. Aber auch die zunehmende Konkurrenz mit anderen Stämmen oder eine Verlagerung der Handelswege könnten eine Rolle gespielt haben.

Die Latènekultur ist die letzte Gruppe, die man als Vor-Kelten bezeichnen könnte. Sie wurden nach einem Ort (La Téne) am Neuenburgersee (Schweiz) benannt. Sie lebten in einem breiten Bogen über West- und Mitteleuropa. Von Irland bis nach Rumänien fand man Spuren von ihnen. Sie verarbeiteten Eisen und gaben ihren Verstorbenen Waffen und Kunstwerke auf ihren letzten Weg mit. Die Latènekultur war aber keine reine Keltenkultur. Das erkennt man daran, dass ihr Einfluss auch in nicht-keltischen Gebieten wie im germanischsprachigen Dänemark bemerkbar war. Dennoch wird die Latènekultur noch oft stellvertretend für die frühen Kelten verwendet.

Ein nachgebautes Haus aus der Keltenzeit. Die Wände bestehen aus Holzstämmen, das Dach ist mit Stroh gedeckt. Es steht im freien, unter einem Baum. Es hat nur ein Geschoss.
Im Salzburger Ort Hallein wurde eine ganze Siedlung der Kelten nachgebaut.
Der Innenraum eines Keltenhauses. Man sieht Betten, eine Schüssel und eine Kinderwiege.
Der Wohnraum im keltischen Haus war sehr zweckorientiert eingerichtet.

Der Glaube der Kelten

Über ihre Religion weiß man nur durch die Werke von klassischen Autoren. Leider haben die Kelten selbst keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. Über die ganzen Jahrhunderte hinweg gab es naturgemäß einige unterschiedliche Darstellungen, was keltischen Glauben betrifft. Gemeinsam hatten sie alle die Verehrung der Natur. Insbesondere wurden Haine und Flüsse sowie Quellen als heilig angesehen. Die keltischen Götter traten ihrem Glauben nach in der Natur auf. So wurde oftmals eine Quelle als Inkarnation eines Gottes angesehen. Laut den Aufzeichnungen gab es ungefähr 400 Götter, von denen jedoch auch einige mehrfach genannt wurden. So trug ein und derselbe Gott in unterschiedlichen Stämmen einen anderen Namen. Diese Bezeichnungen sind teilweise heute noch präsent. So sind die Flüsse Seine (Flussgöttin Sequana) und die Donau (Muttergöttin Danu) eindeutig keltischen Ursprungs. 

Eine bestimmte Angst scheint in der Gesellschaft allgegenwärtig gewesen zu sein. Sie hatten eine konkrete Vorstellung, wie das Ende der Welt aussehen würde. In Schriftstücken von Arrianus (gr. Schriftsteller) und Strabo erwähnen sie eine Unterhaltung von keltischen Gesandten und Alexander dem Großen. Darin wird beschreiben, dass sie große Angst haben, dass der Himmel über ihnen einfach einstürzen könnte.

Um die Götter zu besänftigen oder um etwas zu bitten, brachten die Kelten auch Opfergaben dar. Neben Lebensmitteln und Waffen wurden ebenfalls Lebewesen den Göttern geopfert. Manchmal wurden sogar Menschenopfer dargebracht. In den Gräbern der Kelten fand man Grabbeigaben, die nahelegen, dass sie an ein Leben nach dem Tod glaubten. Schmuck, Waffen und sogar Tieren wie Pferde und Hunde sollten dafür sorgen, dass es den Verstorbenen an nichts mangelte. 

Man sieht in dem Gebäude eine Feuerstelle, einen Webrahmen im Hintergrund und die Holzwände
In keltischen Häusern wurden auch Kunstgegenstände hergestellt.
Man sieht ein Haus mit einem doppelten, etwas versetzten Dach.
In dem Museumsdorf findet man auch einen Schmied, eine Salzmine und jede Menge Alltagsgegenstände.

Die Stämme der Kelten trugen Schmuckstücke, um das Böse abzuwenden. Als Schutzamulett bevorzugten sie Hirschmotive oder auch das Abbild eines Wildschweins. Wenn das Amulett alleine nicht mehr half oder eine Naturkatastrophe wie eine Dürre im Gange war, wendete man sich an einen Druiden. Durch ihre ausführliche Ausbildung über ganze 20 Jahren hinweg waren sie im Stande, die passende Zeremonie für jegliche Art von Problemen abzuhalten. Nur mit ihrer Hilfe konnte man die Gunst eines Gottes wieder für sich gewinnen, davon waren die Kelten überzeugt.

Druiden haben leider keine schriftlichen Aufzeichnungen über ihre Arbeit mit den Göttern hinterlassen. Bekannt ist jedoch, dass einer der am meisten verehrten Götter Cernunnos war. Man geht davon aus, dass er die Natur und auch die Fruchtbarkeit repräsentierte. Lugus wurde als allwissende und allsehende Gottheit verehrt. Er stand höchstwahrscheinlich stellvertretend für die Sonne. Aber auch weibliche Gottheiten wurden angebetet: Epona, die mit Pferden in Verbindung gebracht wurde oder Brigid, die Beschützerin der Ernte und des Viehs. Legenden zufolge hat sie den Menschen alles beigebracht, was sie zum Überleben brauchen. 

Einige der Götter wurden als Dreifaltigkeit (Trinität) angesehen. Brigid (mit ihren zwei Schwestern gleichen Namens) oder die „Matronen“ sind ein Beispiel dafür. Die Matronen stehen für Stärke, Macht und Fruchtbarkeit. Andere Quellen berichten von drei Hauptgöttern: dem Himmelsgott Taranis, dem Stammesgott Teutates und von Esus, dem Gott des Reichtums und des Krieges. Die Götterwelt der Kelten gibt also nach wie vor viele Rätsel auf. Als der römische Einfluss im 2 Jahrhundert v. Chr. stärker wurde, hielten zusätzlich einige ihrer Götter Einzug in den keltischen Glauben.

Die Gesellschaft der Kelten war hierarchisch.

Die wichtigsten Personen waren Herrscher und Elitekrieger, dann kamen religiöse Führer und die Bewahrer des gesammelten Wissens – die Druiden. Sie waren von Steuer und Militärdienst befreit. Handwerker, Händler, Bauern und Sklaven waren die größte Gruppe und bildeten das Schlusslicht. 

Abgesehen von den Sklaven konnten Kinder durchaus in eine andere soziale Gruppe eintreten. Es sprach nichts dagegen, dass aus dem Sohn eines Handwerkers später ein Druide werden konnte. Eine Voraussetzung dafür war selbstverständlich das nötige Köpfchen. 

Cäsar schrieb in einem Bericht über den Gallischen Krieg, dass keltische Frauen ihren Ehemännern eine Mitgift mitbrachten. Starb der Ehemann vor ihr, wurde diese Mitgift von der Frau geerbt. Laut seinen Beobachtungen hatten die Männer die Macht über Leben und Tod ihrer Frauen und Kinder. Ob diese Beobachtung aus Gallien allerdings für das gesamte Reich der Kelten galt, ist unklar.

An der Spitze der Hierarchie standen Monarchen und in späten Epochen auch gewählte Anführer oder ein kleiner Ältestenrat. Dieser setzte sich aus freien Männern und Frauen zusammen. Der Clan war die kleinste Einheit bei den Kelten. Es handelte sich meist Menschen, die miteinander blutsverwandt waren. Durch Heirat wuchsen die Familien und sie schlossen sich mit anderen zu Stämmen zusammen. Dadurch wurden sie stärker. So gab es am Ende der Ära einige große Stammesverbände, die gegen die gemeinsame Bedrohung in Form der Römer kämpften. Die Führer dieser Verbände waren allerdings nicht zwangsläufig Männer. Der Stamm der Briganten im Norden Englands wurde von der Kriegerin Cartimandua angeführt. Auch Boudicca, Anführerin der Icener, griff hart durch und führte einen Aufstand gegen die römische Besatzung an.

Man erhielt einen guten Einblick in die Kunst der Kelten. Man sieht auf dem Regal viele getöpferte Waren.
Im Keltendorf wird viel Wert auf Authentizität gelegt.
Der Alltag der Kelten wird mittels zeichnerischer Darstellungen auch den Kindern nahe gebracht.
In Hallein versucht man, die alte Kultur kindgerecht zu vermitteln.

Kelten und der Handel

Sie importierten Zinn aus Britannien, Bernstein aus dem Baltikum oder auch Pferde aus dem Balkan und Osteuropa. Sie selbst hatten Salz, Eisen, Gold und Sklaven im Angebot. Anscheinend hatten sie eine Vorliebe für Wein, den sie in großen Mengen für ihre Waren eintauschten. Aber auch Silber. Seide, Töpferwaren und andere Kunstgegenstände waren beliebte Tauschwaren. 

Für ihre Kunstwerke verwendeten die Kelten Keramik, Stein, Eisen, Bronze und Gold. Sie waren aber auch experimentierfreudig und verzierten ihre Werke auch mit Bernstein, Korallen oder auch Glas. Sie machten daraus Kessel, die bei den Kelten als Fruchtbarkeitssymbol angesehen wurden. Aber auch menschliche Figuren. Auch Schilde für den Kampf wurden dekoriert und Tierfiguren als Votivgabe hergestellt. Sie verzierten die Gegenstände auch gerne mit Botschaften, die Kraft geben sollten oder religiöse Ideen vermittelten.

Ungefähr im Jahr 300 vor Christus tauchten die sogenannten „Regenbogenschüsselchen“ auf. Dieses kunstvoll gefertigten, muschelähnlichen Gegenstände aus Gold wurden als Zahlungsmittel verwendet. Man könnte sie durchaus als keltische Münzen bezeichnen. Man fand viele davon im heutigen Ungarn, Österreich und Süddeutschland. 

Im Zuge der Handelsbeziehungen lernen die Kelten einiges von anderen Kulturen. Sie beeinflusste ihre Weltanschauung und sie übernahmen einige Dinge in ihre eigene Kultur. So gingen sie von Begräbnissen in Hügelgräber zu Flachgräbern über. Mit dem vermehrten Handel nahm auch der Wettbewerb zwischen den Stämmen zu – und der Neid auf ihre reichen Handelspartner.

Die Kelten - ein kriegerisches Volk

Aufgrund der Vielzahl an Waffen, die in keltischen Gräbern gefunden wurden, weiß man, dass Kriegsführung für sie sehr wichtig war. Ein weiterer Hinweis darauf ist die Anzahl an Göttern, die mit Krieg in Verbindung standen. Eigenschaften wie Tapferkeit und Mut auf dem Schlachtfeld war ein wichtiges Kriterium für den gesellschaftlichen Status. In Gallien haben die keltischen Krieger ihr langes Haar in Kalkwasser gebleicht und Zeichnungen auf ihren Körper gemalt. Verschiedene Schriftsteller berichten, dass die Krieger nackt in die Schlacht zogen und ihren Opfern die Köpfe abgeschnitten haben. Da die Kelten glaubten, der Kopf sei der Sitz der Seele, macht diese Handlung Sinn. Aber nicht nur Männer zogen in den Krieg, es gibt auch Hinweise darauf, dass auch Frauen an Kämpfen beteiligt waren. 

Um ihr Ziel zu erreichen, setzten die Armeen Schleudern, Streitwagen und Kavallerie ein. Im direkten Kampf kamen hauptsächlich Speere und Langschwerter zum Einsatz. Einen gewissen Schutz boten rechteckige und ovale Schilde. Um sich miteinander über weite Strecken hinweg abzustimmen, wurden Standarten und Kriegshörner verwendet. In verschiedenen Kriegen kämpfen sie gegen Rom und Delphi. Außerdem waren sie als Söldner mit der Stadt Karthago während der Punischen Kriege (264 – 146 v. Chr.) verbündet. 

Die Römer rächten sich für die mehrfachen keltischen Angriffe und griffen den Stamm der Arverner in Gallien an (125 v. Chr.) Weniger als ein Jahrhundert später marschierten die Truppen um Cäsar dann in Gallien ein. Trotz des Widerstandes von Stammesfürsten wie Vercingetorix wurde die Region erobert. Unmittelbar darauf erfolgten direkte Angriffe auf wichtige Persönlichkeiten in der Gesellschaft (Druiden). So wurden die Kelten auf dem Festland und den südlichen Britannien schlussendlich von der römischen Kultur vereinnahmt. 

Mit der Eroberung von Cäsar im Jahr 52 vor Christus endet die Ära. Verschwunden sind sie jedoch nicht, sie haben sich nur dem Römischen Reich angepasst. Einige der Kelten sind von dieser Einflussnahme unberührt geblieben. An einigen Orten in Irland und Teilen Nordbrittaniens  lebte ihre Kultur bis ins Mittelalter weiter. Sie kann heute noch auf kunstvoll verzierten Steinkreuzen mit keltischen Inschriften auf den Friedhöfen bewundert werden.

Es gibt fast nichts nervigeres als ständig diese Pop Up Werbungen. Damit das hier nicht passiert unterstützen Sie bitte freien Journalismus. Danke.

Add a Comment

Your email address will not be published. Required fields are marked *