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Jugg, Pompfen, Stein – dieser Sport ist ein Geheimtipp

Fünf gegen fünf. Beim Jugger dreht sich alles darum, den Ball (Jugg) ins gegnerische Tor zu bringen. Ein einfaches Unterfangen, wenn da nicht die Gegner mit ihren Pompfen wären. Bei einer Berührung mit diesem Spielgerät muss man sich einige Sekunden hinknien – und muß zuschauen, wie der gegnerische Läufer mit dem Jugg seinem Ziel immer näher kommt.

Entstanden ist dieses taktische Spiel Anfang der 1990er. Inspiriert wurde er durch den Endzeitfilm „Die Jugger – Kampf der Besten“ mit Rutger Hauer. Dabei wird mit einem Hundeschädel als Ball um Essensrationen gespielt. Während Jugger im Film äußerst brutal dargestellt wird, ist er im realen Leben ungefährlich. Inzwischen hat die junge Sportart in Deutschland seit 2003 einen eigenen Sportverband und weltweit sind Teams entstanden, die sich regelmäßig bei Wettbewerben miteinander messen.

Der Ablauf

Jedes Team bestimmt erst einen Läufer. Seine Aufgabe ist es, sich den pillenförmigen Jugg zu schnappen und in das gegnerische Tor (Mal) zu bringen. Natürlich wollen die Gegner das unter allen Umständen verhindern. Damit der Qwik, wie der Läufer auch genannt wird, möglichst unbehelligt seine Aufgabe erledigen kann, helfen ihm die anderen vier Mitspieler. Sie sind mit Pompfen ausgestattet. Je nach Präferenz können die Sportler auf fünf verschiedenen dieser gepolsterten Sportgeräte wählen, um die Gegner zu blockieren.

Treffen sie mit dem Sportgerät einen gegnerischen Mitspieler, muss sich dieser niederknien und darf nicht am Spielgeschehen teilnehmen. Während des ganzen Spieles werden Trommelschläge abgespielt, die zur zeitlichen Orientierung dienen. Nach einigen „Steinen“, wie die Schläge genannt werden, darf der getroffene Jugger wieder mitmachen. Sofern die Pompfe ihn nicht mehr berührt. Durch dieses „Pinnen“ kann das Aussetzen nämlich verlängert werden. 

Währenddessen sprintet der Läufer bestenfalls ungehindert mit dem etwa 30 Zentimeter langen Jugg Richtung gegnerisches Mal. Der Zielpunkt bei dem Teamsport erinnert fast ein wenig an ein Nest, in das der Jugg platziert werden muss, um einen Punkt zu erzielen. Der Jugg muss dabei vom Läufer getragen werden und darf nicht wie beim Fußball getreten werden. 

Menschen auf einer grünen Wiese. Sie haben Sportkleidung an und teilweise lange Stöcke in Händen.
Die Mitspieler geben sowohl beim Training als auch bei Turnieren alles.
Beim Jugger wird mit gepolsterten langen Stangen versucht, die Gegner zu blockieren. Das sieht man auf dem Bild das auf einem Sportplatz aufgenommen wurde.
Mit den Pompfen wird versucht, dem Läufer etwas Zeit zu verschaffen

Die Spieldauer wird am Anfang des Spiels festgelegt. Entweder wird bis zu einer gewissen Zeitspanne gespielt oder bis zum Erreichen eines Punktestandes. Jeder Jugg, der seinen Weg ins gegnerische Mal findet, gibt einen Punkt. Gespielt wird meist zwischen 30 Minuten und einer Stunde.

Das Wohlergehen der Spieler und Inklusion hat Priorität.

Die Juggerteams sind gemischgeschlechtlich. Die Gemeinschaft legt sehr viel Wert auf Inklusion, es gibt sogar ganze Turniere, in denen eine Quote an FLINTA erfüllt werden muss, um teilnehmen zu dürfen. FLINTA steht für Frauen, Lesben, Inter-Menschen, nicht binäre Menschen, Transmenschen und A-Gender Personen. Kurzum: Personen, die eine andere Geschlechtsidentität als männliche Cisgender haben.

Außerdem gibt es in den Juggervereinen auch Awareness Teams die darauf achten, dass es den Mitgliedern gut geht. Allgemein wird auf das Wohlergehen, den Spaß am Sport und das Gemeinschaftsgefühl sehr viel Wert gelegt. Das waren die Hauptgründe, warum das langjährigen Mitglied und Obmann der Wiener Jugger, Michael Frisch, vor etwa sechs Jahren mit diesem Sport begonnen hat.

Die wichtigen Spielgeräte - Die Pompfen

Die Sportler haben dabei die Wahl aus einem etwas 1,80 Meter Stab, einer Langschwert-ähnlichen Langpompfe oder einer 85 Zentimeter Kurzpompfe, die mit einem Schild kombiniert werden kann. Auch der Einsatz eines „Q-Tip“, eines wattestäbchenähnlichen Zwei-Meter-Sportgerätes oder der Kette ist möglich. Die Kette ist ein Ball, der an einer drei Meter langen Schnur befestigt ist. Sie darf pro Team nur einmal benutzt werden. Jeder Spieler kann sich das Spielgerät aussuchen, das ihm am besten liegt. Es müssen also nicht alle fünf Pompfen auf dem elliptischen oktagonförmigen, 20×40 Meter großen Sportfeld vertreten sein.  

Die Zeit, die kniend verbracht werden muss, hängt übrigens auch von der Art der Pompfe ab, mit der man getroffen wurde. Normalerweise setzt man fünf Steine aus, nur wenn einen die Kette erwischt hat, sind es sogar acht. Die Bezeichnung „Steine“ stammt aus dem Film, der diesem Sport zugrunde liegt. In dem martialischen Streifen werden als Zeitangabe immer Steine gegen einen Gong geworfen.

Beim Startsignal sprinten die Spieler beim Jugger los. Mit Schaumstoffwaffen und Sportkleidung laufen sie über eine Wiese. Im Hintergrund sieht man ein weißes Zelt.
Beim Startsignal 3-2-1- Jugger laufen die Spieler los.

Das einzige Team in Österreich

Während Jugger in vielen Ländern schon eine große Fangemeinde hat, ist es hierzulande noch ein Geheimtipp. Beim einzigen Verein in Wien treffen sich die etwa 30 Mitglieder dreimal die Woche zum Training. Gespielt wird auf öffentlichen Flächen, teils mit selbst gebautem Equipment. Der Verein spielt oft gegen ein befreundetes Team aus Ungarn und freut sich auf das Zusammentreffen mit über 100 anderen internationalen Sportlern bei der World Club Championship. Vom 3.-6. September treffen sie dann auf weitere internationale Jugger aus Südamerika, Australien, Spanien, Hongkong und den USA, um nur einige zu nennen.

Mitspielen kann eigentlich jeder ab zehn Jahren. Nach oben gibt es keine Grenze, solange es die Beweglichkeit zulässt. Dadurch, dass es viel um Taktik geht, haben auch weniger fitte Menschen ihren Spaß an dieser Sportart. 

Das ist natürlich nur eine grobe Zusammenfassung. Mehr Infos findet ihr auf der offiziellen Website des Sports. Mit der Bezeichnung „Läufer“ „Sportler“ und „Spieler“ sind selbstverständlich alle Menschen gemeint.

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Quelle:

Interview mit Michael Frisch, Obmann des Wiener Jugger Vereins

https://www.jugger.at/

https://www.jugger.org/portal

https://juggersportverband.de/was-ist-jugger/

https://wcc2026.de/?lang=de

Fotos: (c) Michael Frisch

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