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Auffi muas I – Die Traktor WM in Salzburg

Mitte September hat die Oldtimer Traktor WM am Großglockner stattgefunden. Dabei waren 450 Teilnehmer mit ihren teilweise mehr als 80 Jahre alten Fahrzeugen. Haben es alle bis ins Ziel geschafft? Und wer ist Weltmeister geworden?

Samstag, 20 September 2025, sieben Uhr früh, kurz vor der Kassenstelle zum Großglockner. So etwas sieht man selten. Hunderte Traktoren aus verschiedensten Jahrzehnten stehen in Reih und Glied und warten geduldig darauf, los zu starten. Das Tuck-tuck-tuck-tuck der älteren Modelle hört man schon von weitem, ab und zu macht einer der Fahrer seiner Anspannung Luft und drückt auf die Hupe. Bald ist es so weit: Die Fahrt auf den höchsten befahrbaren Berg Österreichs steht an. Sie ist das Highlight der WM.

Los ging es mit den Veranstaltungen schon einige Tage zuvor, am Donnerstag. Die Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, Belgien, der Schweiz, Luxemburg, den Niederlanden, Polen und Italien konnten sich beim gemeinsamen „Dämmerschoppen“ kennenlernen. 

Freitag ging es dann aber los mit den Wettbewerben. Um halb eins Mittag war schon alles auf dem Parkplatz in Fernleiten aufgebaut. Merchandise-Zelte, die verschiedene Stationen mit herausfordernden Aufgaben für die Traktorfahrer und natürlich ein Verpflegungszelt. Auf nüchternen Magen fährt es sich schlecht. Und genau hier erzählt mir Simone Höller vom Tourismusverband BRUCK FUSCH |GROSSGLOCKNER, dass es schon die 23. Traktor WM ist. Es ist nur einmal wegen COVID ausgefallen, aber ansonsten ging es jedes Jahr über die Bühne. Und jedes Jahr kommen auch mehr Gäste. Inzwischen musste die Teilnehmerzahl sogar auf 450 begrenzt werden. Wenn man mitfahren wollte, sollte man schnell sein: Innerhalb eines Tages waren die Startplätze weg. 

Teilnehmer der Traktor WM. Man sieht viele Traktoren nebeneinander auf einer Wiese, dahinter ein Berg.
Die mehr als 400 Traktoren vor einer Bergkulisse. Der Älteste ist fast 90 Jahre alt.
Traktoren in verschiedenen Farben vor einer bewaldeten Bergkulisse.
Die Teilnehmer fuhren teilweise mit ihren eigenen Traktoren mehrere hundert Kilometer weit.

Genau wegen dieser Beliebtheit und der Leidenschaft der Fahrer findet die Weltmeisterschaft bei jedem Wetter statt. Christian Hutter von der Freiwilligen Feuerwehr Bruck erinnert sich: „Vor vier Jahren mussten wir das Ziel vorverlegen. Damals war schon auf 1600 Meter Schluss, weil es zu schneien begonnen hat.“ Raufgefahren sind die Traktoren trotzdem, teilweise ohne Dach und mit Winterkleidung.

Der Geschicklichkeitswettbewerb

Wie gut kannst du mit deinem Traktor umgehen? Beim Geschicklichkeitswettbewerb konnte man es beweisen. Hier war jeder willkommen, auch die, die keinen Startplatz mehr bekommen haben und einfach so angereist sind. Um es gleich vorwegzusagen: Einfach waren die Aufgaben nicht. Unter anderem musste die Breite des Fahrzeugs richtig eingeschätzt werden, indem man sich durch ein Holzgestell durchmanövrierte. Mit einer Lanze auf der Motorhaube ging es danach um Augenmaß. Wer trifft damit ins Bullauge? Die Feuerwehr Bruck ist für die Bewerbe zuständig und sie nimmt ihre Aufgabe ernst. Jedes Jahr überlegen sie sich neue Herausforderungen, damit es auch für die Stamm-Teilnehmer interessant bleibt.

Einer der Geschicklichkeitswettbewerbe: Der grüne Traktor hat an der Motorhaube eine Lanze befestigt. Er versucht, damit die Mitte der vor ihm befindlichen Scheibe zu treffen. Die Scheibe ist mittig in einem hölzernen Rahmen angebracht. Das spielt sich alles vor den Salzburger Bergen ab.
Bei diesem Wettbewerb muss die auf dem Traktor angebrachte Lanze das Loch in der Scheibe treffen
Man sieht einen weißen Traktor, der neben einem grünen steht. Im Hintergrund erkennt man die Berge und Bäume.
Andrea Hux ist extra knapp 800 Kilometer aus dem Sauerland angereist., um dabei zu sein.

Besonders gut hinbekommen hat das eine bekannte Teilnehmerin: Die Schweizerin Cyndie Allemann hat alle Disziplinen großartig gemeistert. Das brachte der „Grip – Das Motormagazin“ Moderatorin später sogar einen Platz auf dem Siegerpodest ein. Von Starallüren merkte man überhaupt nichts, als sie gekonnt mit ihrem knall-orangem Lamborghini Traktor die Aufgaben bewältigt hat.

Die Moderatorin eines Automagazins machte eine gute Figur auf dem orangefarbenen Traktor.
Mit ihrer Leistung konnte die Schweizerin Cyndie Allemann voll überzeugen.
Einer der fünf ältesten Traktoren auf der WM
Der D.I.N.F.I.A Pampa ist einer der älteren Traktoren auf der WM

Um kurz vor fünf Uhr Nachmittag ging der letzte Programmpunkt über die Bühne. Die fünf ältesten Traktoren wurden nebeneinander aufgestellt. Der Pfarrer segnete die Maschinen, angefangen mit dem Oldie der Oldies – einem Fahrzeug aus dem Jahr 1937. Danach setzten sich die Fahrer ein letztes Mal auf ihren Bulldog, wie die Fahrzeuge auch genannt werden. Ziel des Ausflugs war einer der Wirte der Umgebung. Hier wurde der Tag gemütlich mit dem ein oder anderen Bier beendet.

Großglockner Hochalpenstraße wird extra gesperrt.

Ausgeschlafen hat am Samstag wohl niemand: Die ersten Feuerwehrleute waren schon um halb sechs morgens vor Ort. Unterm Sternenhimmel wurden noch die letzten Einzelheiten besprochen, bevor nach und nach die Traktoren eingetrudelt sind. Um kurz nach sieben hatte sich die Mautstelle fast in ein Oldtimer Museum verwandelt. Während einige noch miteinander redeten oder Tipps für steile Passagen austauschten, saßen andere eher schweigsam und nervös hinterm Steuer. 

Die Traktoren sind in Startaufstellung. Man sieht sie auf der Straße, hinter ihnen die Berge, die Sonne geht gerade auf.
Die Nervosität steigt. In wenigen Minuten gehts rauf auf den Großglockner.

Um Punkt halb acht zeigte die Kelle dann ein leuchtendes Grün. Der erste Traktor begab sich auf seine ungefähr zweistündige Reise. (Die Dauer hängt natürlich vom Fahrzeugmodell ab!) Dann ging es Schlag auf Schlag. Im 15-Sekunden-Takt fuhren Steyr, Eicher, Hanomag und Co. durch die Kassenstelle. Ich hatte das Glück, mit einem netten Herrn aus Rheinland Pfalz mitfahren zu dürfen. So habe ich alles hautnah miterlebt. Auch wenn es auf dem schmalen, harten Holzsitz alles andere als gemütlich war, das Erlebnis war die blauen Flecke wert. Etwas übermotiviert wurden wir gleich von mehreren Fahrern überholt. Es dauert aber nur bis zur ersten größeren Steigung, bis wir wieder an ihnen vorbei gezogen sind. Besonders schön fand ich das Kameradschaftliche: Man winkte sich nach dem Überholen zu oder machte scherzhaft eine „Dich krieg ich schon noch“-Geste. 

Die steilen Passagen waren für einige Oldtimerfahrer eine echte Herausforderung. Immerhin reden wir hier von einer Steigung von bis zu zwölf Prozent. Wie schon am Anfang wurden die etwas flacheren Abschnitten gerne zum Überholen genutzt. Dabei geht es gar nicht darum, die Strecke in möglichst kurzer Zeit zu schaffen. Bei der Weltmeisterschaft zählt nur Beständigkeit. Für die Wertung wird die Zeit bei zwei Streckenabschnitten gemessen und verglichen. Je geringer der Unterschied, desto größer die Chancen auf einem Podestplatz.

Bergrennen
Die Fahrt fand vor einer wunderschönen Kulisse statt.
Der Blick vom Ziel nach unten. Man sieht viele Berge und eine kurvige Straße.
Ein Blick vom Ziel zurück auf die Wettbewerbsstrecke.

Damit die Traktoren, die teils nur mit 10 km/h unterwegs sind, ungestört den Berg bewältigen können, wurde die Großglockner Hochalpenstraße für den regulären Verkehr gesperrt. Erst um zehn Uhr Vormittags gingen die Schranken in Ferleiten wieder für die Touristen auf. In dieser Zeit war der Großteil der WM Teilnehmer schon am Fuscher Törl angekommen. In 2.428 Meter Höhe haben die Fahrer die Aussicht auf die atemberaubende Berglandschaft genossen und die letzten Traktoren auf ihrem Weg ins Ziel angefeuert.

Raufkommen ist eine Sache, aber das Herunterfahren – das stellt eine fast noch größere Herausforderung dar. Um die Oldtimer zu schonen, haben einige Teilnehmer schon im Vorfeld beschlossen, ihren Bulldog ins Tal zurück abschleppen zu lassen. Leider haben andere diesen Service schon früher in Anspruch nehmen müssen. „Jedes Jahr bleiben 2-3 Traktoren wegen technischen Problemen liegen“, erzählt Höller. Es ist schon bitter, wenn man eine 700 Kilometer lange Anreise hinter sich hat und dann kurz vor dem Ziel scheitert.

Das erste Mal ein Doppelsieg

Spätestens bei der Siegerfeier im Nachbarort Bruck ist der Ärger vergessen. Um sieben Uhr macht das Festzelt auf und es wird dann gemeinsam gelacht, gefeiert und gesungen. Eine Stunde später fühlt man sich fast wie bei Olympia. Die Teilnehmer laufen mit ihren Flaggen und zu passender Musik quer durchs Zelt. Dann wohl einer der Lieblingsprogrammpunkte der Gäste: der Fassanstich. Wie beim Oktoberfest wird ein Fass Bier angezapft. Da tut es der Stimmung auch keinen Abbruch, dass gleich einer der Steinkrüge zu Bruch gegangen ist. So was passiert in der Hitze des Gefechts.

Dann wurden die Gewinner bekannt gegeben. Die Besten des Geschicklichkeitswettbewerbs (Cyndie machte den zweiten Platz), anschließend die Sieger der verschiedenen Altersklassen und die Vereine. Um halb zehn Uhr Abend folgte das Highlight. Wer ist Weltmeister? Und da gab es diesmal eine Überraschung: Es waren gleich zwei! Der Belgier Matthijs Claerhout und der Deutsche Heinrich Kaußner hatten das gleiche gute Gespür für Geschwindigkeit. 

Die Weltmeister 2025
Die Weltmeister der Oldtimer Traktor WM 2025
Fahnen schwenken im Zelt
Im Zelt wurden die Flaggen der unterschiedlichen Nationen geschwenkt

Die Sieger bekommen neben der Ehre auch handgemachte Trophäen. Sie werden jedes Jahr neu gestaltet und von den Mitarbeitern einer geschützten Werkstätte in Bruck gemacht. Hier arbeiten nur beeinträchtigte Erwachsene. Eine schöne Sache, wenn auch noch ein wenig soziales Engagement bei so einer Veranstaltung dabei ist. Bis nächstes Jahr!

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Quellenangaben:

Tourismusverein BRUCK FUSCH | GROSSGLOCKNER

Persönliche Gespräche mit Frau Höller und  Herr Hutter am 19. September 2025

Interviews mit Teilnehmern der 23. Traktor WM in Salzburg am 19. und 20. September 2025

 

Fotos: Ingrid Müller

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