Es gibt wohl keinen Tanz, der Österreich und Umgebung (Bayern) besser repräsentiert als der Schuhplattler. Er wird in unzähligen Filmen gezeigt, ist der Star auf Plattformen wie TikTok oder Facebook. Aber es geht nichts über eine Live-Aufführung. Überhaupt Touristen lässt diese Erfahrung mit offenen Mündern und ungläubigen Blicken zurück. Woher kommt dieser ungewöhnliche „Tanz“?
Die Wurzeln vom Schuhplatteln gehen bis in die Ritterzeit zurück. In der Ritterdichtung „Ruodlieb“ hat ein Mönch um 1030 einen Tanz beschrieben, der in seinen Bewegungen dem Schuhplattler ähnlich war. Mitte des 19. Jahrhunderts bekamen die rhythmischen Schlagbewegungen dann ihren Namen. Schuhplatteln wurde vor allem von Bauern, aber auch Jägern und Holzfällern praktiziert. Schließlich entstand nach einigem Herumbasteln das, was heute auf Brauchtumsveranstaltungen oder auch Hochzeiten die Zuschauer hellauf begeistert.
Warum macht man das?
In den Bergen gab es nicht viele Gelegenheiten, eine Frau kennenzulernen. Daher wollte man das weibliche Geschlecht bei traditionellen Festen umso mehr beeindrucken. Das gelang durch das rhythmische Schlagen auf Schenkel und Fußsohlen sehr gut. Die Frauen waren sicher beeindruckt von dem kraftstrotzenden Tanz. Leider gibt es keine Zahlen, wie viele Paare dadurch zueinandergefunden haben.
Als „Großvater“ des Schuhplattlers könnte man den Landler bezeichnen, der Anfang des 18 Jahrhunderts bei vielen Veranstaltungen getanzt wurde. Er wird immer mehr abgewandelt und entwickelt sich nach und nach zu dem Tanz, den wir heute kennen. Die verwendeten Figuren sind dabei von Ort zu Ort verschieden. Es kommen neue dazu, andere geraten in Vergessenheit.
Vom Werbungstanz zum Schautanz
Ab Mitte des 20. Jahrhunderts ändert sich der Charakter des Schuhplattlers. Es geht jetzt mehr um perfekte Choreografie und die publikumswirksame Abfolge der einzelnen Elemente. Getanzt wird oft in Trachtenvereinen oder Plattlergruppen. Und die sind inzwischen international gefragt. Sie werden sowohl von reichen US Amerikanern angefragt als auch von Scheichs aus den Emiraten.
Die koordinierten Bewegungen, bei denen im Takt Handflächen, Schenkel und Schuhsohlen zusammengeschlagen werden, üben eine große Faszination aus, Es gibt sogar ganze Schifffahrten, bei denen Schuhplattlergruppen als Hauptattraktion auftreten. Dennoch wird auch heute noch hauptsächlich bei Brauchtumsveranstaltungen oder Festen geplattelt.
Ein Einblick in die Welt der Plattler
Großteils wird sowohl bei Aufführungen und auch bei Proben Tracht getragen. Überhaupt an der Lederhose sieht man, dass es sich um eine traditionelle Veranstaltung handelt. Was allerdings nicht heißt, dass sich das Platteln nicht weiterentwickelt. So waren früher ausschließlich Männer bei der Gruppe. Das hat sich seit einigen Jahren geändert; jetzt sind auch Frauen sehr willkommen. Sie tanzen übrigens auch in Lederhosen.
Jede Gruppe hat ihre eigenen Regeln. Es gibt Vereinsstatuten, die teils bis zu 25 Seiten umfassen. Es wird erwartet, dass sich die Mitglieder daran halten. Andernfalls gibt es in einigen Vereinen sogar Geldstrafen: bei wiederholtem zu spät kommen oder wenn man bei Proben öfter aus dem Takt ist. Das Geld wird dann für Ausflüge oder ähnliches verwendet.
Beim Schuhplatteln werden aber auch zusätzliche Gegenstände eingesetzt. So kommen auf der Bühne kleine Glocken zum Einsatz oder es werden sogar Äxte ausgepackt. Der „Watschenplattler“ ist allerdings mehr eine Touristenattraktion als eine Verkörperung von Brauchtum.
Kinder und Seniorenplattler
Neben Kondition braucht man viel Disziplin, wenn man zu einem Verein gehen möchte. Das wird auch von den kleinsten Mitgliedern erwartet. Mit etwa sechs Jahren beginnen mache Kinder schon, ihren Eltern nachzueifern zu wollen. Noch Jüngere werden nicht aufgenommen, immerhin müssen auch sie die Schritte beherrschen und so lange üben, bis alles sitzt.
Eine Obergrenze vom Alter her gibt es allerdings nicht. Man kann so lange dabei bleiben, bis die Bewegungen irgendwann einfach zu schwer fallen. Die ältesten Plattler sind durchschnittlich Anfang bis Mitte sechzig.
Ein weiteres Ausschlusskriterium bei einigen Vereinen ist die Ehe. Sobald ein Mann unter der Haube ist, muss er entweder aufhören oder intern in eine andere Gruppe wechseln. Das ist beispielsweise bei einer der erfolgreichsten Plattlergruppen Oberösterreichs, den Original Altenberger Schuhplattlern der Fall.
Wettbewerbe
Die einzelnen Vereine treten regelmäßig in speziellen Wettkämpfen gegeneinander an. Dabei wird der Landesmeister im Schuhplatteln gekürt. Im Jubel von mehreren Hundert Zuschauern müssen die Teilnehmer in zwei Durchgängen beweisen, dass sie des Titels würdig sind. Die Juroren achten dabei nicht nur auf die Synchronität der Tänzer, sondern auch auf Einzelheiten. So kann auch eine etwas heruntergerutschte Socke schon den Sieg kosten.
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Quellen:
https://austria-forum.org/af/Heimatlexikon/Schuhplatteln
https://www.stubai.at/stubaital/stubai-blog/detail/for-kids-schuhplattln-wie-die-grossen/
Interview mit Florian Mayr, Obmann und Pauli Scheuringer, Mitglied der Original Altenberger Schuhplattler


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