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Interview mit Bauer Petutschnig

Wenn Hons Petutschnig mit blauem Arbeitsmantel, roter Kappe und in Gummistiefel die Bühne betritt, sind die Veranstaltungssäle ausgebucht. Spätestens, wenn er dann seinen mitgebrachten Vorschlaghammer demonstrativ auf der Bühne absetzt, johlt das altersmäßig bunt gemischte Publikum. Petutschnig erzählt auf der Bühne von seinem Leben als Landwirt. Dabei hält er sich auch mit Kritik nicht zurück und prangert auch schon mal so einige Missstände an.

Hons Petutschnig gibt es aber eigentlich gar nicht. Auf der Bühne steht der gebürtige Villacher Wolfgang Feistritzer, der die Figur des grantigen Landwirts seit 2013 verkörpert. Mit seiner Darstellung ist über überhaupt auf Social Media sehr beliebt. Mehrere Zehntausend Aufrufe haben seine Videos auf YouTube, Tiktok und Co. Der 1978 geborene Kabarettist weiß übrigens sehr gut, wovon er spricht. Immerhin ist er selbst Biobauer und kennt die Sorgen der Landwirte.

Vor einem Auftritt hat sich Feistritzer die Zeit genommen, mit mir über sein Leben und seine Leidenschaften zu sprechen.

In einem deiner Programme erzählst du, was für ein harter Kerl du schon als Kind warst. Immerhin hast Du Kakao mit einer fünf Zentimeter dicken Haut getrunken. Viel mehr weiß man aber nicht von Deiner Kindheit. Könntest Du mir noch eine zweite Anekdote aus deiner Jugend erzählen?

Ich bin ein Kind der Achtziger, wir waren viel draußen im freien unterwegs. Damals haben wir einen Bauernhof gehabt mit Milchlieferung und Maststieren. Bei uns ist alles ein Weidegebiet. Die Kühe hat man morgens auf die Wiese gelassen und gegen vier Uhr sind sie freiwillig wieder nach Hause gekommen. Einmal war ein Hochwasser, da sind sie nicht zurückgekommen. Also sind wir raus und das Wasser hätte uns fast mitgeschwemmt, weil es so eine Kraft hatte. Eigentlich bin ich ganz normal aufgewachsen und hab immer auf dem Hof mitgeholfen. 

Was war deine Lieblingsaufgabe?

Der Umgang mit den Tieren. Das mochte ich schon immer gern. Überhaupt die Kälbchen hatten es mir angetan. Das war immer die Kinderarbeit und Kätzchen betreuen. Die Klassiker.

Du hast einige Zeit Philosophie studiert..

Ja, das war aber nur ganz kurz. Ich hatte eine Phase, da wusste ich nicht wirklich, wie es weitergeht. Mein Schwager hat Philosophie studiert und das hab ich dann auch versucht. Nach nur ein paar Wochen war Schluss, weil ich die Möglichkeit bekommen habe, im Vermessungsbüro zu arbeiten. Da bin ich so reingerutscht und hab ich als Landvermesser gearbeitet.

Von Landvermesser zum Kabarettisten ist aber schon ein Quantensprung.

Ich hab parallel bereits Theater gespielt, so zwei Jahre nach der Schule war ich in einem Laientheater aktiv. Da hat mich das Kabarett auch schon interessiert. Das war in den 90ern. Damals hat man sich gern Videokassetten von anderen Kabarettisten angesehen und das hat mir gefallen und so bin ich dazugekommen. Das ist gleichzeitig mit dem Vermessungsbüro passiert.

Hast Du momentan einen Lieblingscomedian?

Ich schau relativ wenig von anderen an, weil ich einfach die Angst habe, dass das auf mich abfärbt und ich unabsichtlich Jahre später etwas aus dem Programm von anderen verwende. Aber ich schaue mir ab und zu gern deutsche Comedians an, auch Polt mag ich sehr gerne. Im Sommer hab ich mir Helge Schneider angesehen, quer durch den Gemüsegarten. Felix Lobrecht ist gut, aber ein richtiger „Fanboy“ bin ich nicht. 

Du bist viel unterwegs auf Tour und auch auf Social Media sieht man dich regelmäßig. Hast Du denn noch Zeit, selbst als Biobauer zu arbeiten?

Doch, doch. Es ist eine relativ kleine Landwirtschaft. Wir haben derzeit 10 Kühe und zwei Angus-Stiere.

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Du singst auch und das sehr erfolgreich. Der 15er Steyrer hat dreifach Platin. Gratulation!

Danke! Das hat sich so ergeben. So gegen 2017 hab ich „Atemlos“ von Helene Fischer ein wenig um getextet und das ist gut angekommen. Das 15er Steyrer war ursprünglich langsamer, aber daraus wurde dann die Discoversion. Das kommt bei den Jungen gut an und das Texten macht mir Spaß. Das Umschreiben von bekannten Liedern mit Texten, die zu mir passen. Als guter Sänger sehe ich mich nicht, aber das junge Publikum mag es recht gerne.

Weil wir beim 15er Steyrer waren – hast du einen?

Wir haben einen alten zu Hause. Das müsste ein 1961er Baujahr sein, den hat mein Opa gekauft. Es war unser erster Traktor. Soweit ich mich erinnere, hat den mein Opa mit einem Nachbarn gemeinsam gekauft. Er fährt immer noch. Ich hab ehrlich gesagt ein wenig ein schlechtes Gewissen, wenn ich mir die anderen Traktoren in der Gegend ansehen, wie schön die hergerichtet sind. Er würde eine neue Lackierung brauchen. Das werde ich wohl im Winter in Angriff nehmen.

Bei einem solchen Schatz aus den 60er-Jahren wäre doch die Teilnahme an der Traktor-WM eine schöne Sache. Man fährt dabei mit Oldtimer Traktoren den Großglockner hinauf.

Die Traktor WM? Hab ich überhaupt nicht mitbekommen. Und dabei ist das gar nicht so weit weg von mir. Ist an mir vorbeigegangen. Vielleicht fahre ich nächstes Jahr mit.

Die Figur des Petutschnig mit dem Vorschlaghammer steht wahrscheinlich sinnbildlich für „reinhauen, eine Veränderung fordern“?

In der Anfangszeit war Petutschnig vom Reden her etwas schneller und gröber. Ich hab schon immer gern Rollen gespielt und die Figur ist eine Mischung aus verschiedene Bauern, die es bei uns gibt. Er gibt mir die Möglichkeit, einige Dinge, die im Alltag oder in der Politik falsch laufen, anzusprechen.

Spätestens seit deinem Red Bull – Milch Vergleich bist du das Sprachrohr der Bauern. Kommen Landwirte auch direkt auf dich zu und bitten dich, das ein oder andere Thema anzusprechen?

Ja, das gibt es immer wieder. Erst vor Kurzem habe ich überlegt, genau diesen Spot noch mal neu aufzulegen. Der Clip ist schon mehr als zehn Jahre alt und viele Leute kennen ihn überhaupt nicht mehr. Inzwischen ist Red Bull jedoch zu einer „Loved-Brand“ geworden. Damals, als ich das Video vor zwölf Jahren gemacht habe, hat mir jeder Recht gegeben. Inzwischen geht die Verkaufskurve von Red Bull steil nach oben und das Unternehmen macht auf viel für Österreich.

Hast Du wegen deinen kritischen Äußerungen schon Probleme bekommen?

Direkt nicht. Aber man merkt schon, dass manches nicht so gut aufgenommen wurde. Vielleicht hätte ich mehr Galas gespielt, wenn ich dies oder jenes nicht angesprochen hätte. Durch die Blume wurde mir schon gesagt, dass ich mir mit manchen Äußerungen beruflich keinen Gefallen getan habe. Es war aber nichts Gravierendes, was mir schlaflose Nächte bereitet hätte. 

Auf Social Media hat man ja gleich einen Shitstorm.

Ja, das muss man gewohnt sein. Aber auch das hält sich bei mir im Rahmen. Ab und zu habe ich Kommentare von Umweltschutzorganisationen oder Veganern, aber da muss man drüber stehen.

Bist du noch nervös vor Auftritten?

Doch natürlich. Ein gesundes Lampenfieber gehört einfach dazu.

Hast Du neben Auftritten und Internetpräsenz überhaupt noch Zeit für irgendwelche Hobbies?

Ja, mein Hobby ist die Landwirtschaft, Familie, ein wenig Fußball schauen. Es ist schon ein wenig schwierig, die Zeit zu finden. Bühne und Social Media, das nimmt doch viel Zeit in Anspruch. Einen acht Stunden Tag habe ich definitiv nicht. 

Hast Du selbst Erfahrung auf dem Fußballfeld?

Als Jugendlicher habe ich als Verteidiger gespielt. Gleich schon hart reingehauen.

Gibt es etwas, was man nicht so von dir weiß? Bist Du vielleicht ein guter Koch?

Ich kann schon etwas kochen. Spaghetti Soßen sind meine Spezialität. Die pikanten Gerichte gehen allgemein ganz gut. Was ich nicht kann, ist backen. Das ist nicht mein Metier. Schweinsbraten. Hausmannskost. Allerdings könnte ich nicht beim „Perfekten Dinner“ mitmachen.

Vielen Dank für die Zeit und das Interview!

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Quelle:

Interview mit Herrn Wolfgang Feistritzer in Ried im Innkreis am 30. Oktober 2025

Homepage Petutschnig Hons.

Fotos: Ingrid Müller

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