Dieses Jahr feiert der Eurovision Song Contest seinen 70. Geburtstag. Der Wettbewerb, bei dem Künstler aus mehr als 30 Ländern ihre selbst geschriebenen Lieder präsentieren, findet in Wien statt. Letztes Jahr hatte sich die österreichische Hauptstadt das Recht, den ESC auszurichten mit der hervorragenden Leistung von JJ mit dem Song „Wasted Love“ in Basel erkämpft.
Als der „Gran Premio Eurovisione Della Canzone Europa“ im Jahr 1956 das erste Mal in Lugano (Schweiz) stattgefunden hat, ahnte niemand, welchen Kultstatus der Gesangswettbewerb erreichen würde. Das merkte man schon daran, dass Teilnehmer wie Dänemark, Großbritannien und auch Österreich die Anmeldefrist verschlafen haben. In einer geheimen Jurywahl wurde die Schweizerin Lys Assia zur ersten Siegerin gekürt. Damals nahmen übrigens nur sieben Länder teil, dafür mit jeweils zwei oder sogar drei Liedern.
ESC ist nicht nur für europäische Künstler!
Inzwischen hat sich natürlich einiges geändert. Um am Contest teilnehmen zu dürfen, muss man aktives Vollmitglied der Europäischen Rundfunkunion (EBU) sein. Solche Mitglieder sind auch Israel, Aserbaidschan oder Georgien. Ein Teil dieser Union zu sein ist keine Garantie, dass man im Finale auftreten darf. Dazu muss man es durch die Semi-Finals schaffen. Hat man diese Hürde genommen, darf man in diesem Jahr vor 16.000 Zuschauern in der Wiener Stadthalle auftreten. Österreich richtet bereits das dritte Mal den ESC aus, daher weiß man schon, was es heißt, eine „Host City“ zu sein.
Dafür muss man einige Voraussetzungen erfüllen. Neben einer guter internationalen Anbindung und genügend Unterkünfte muss man sicherheitstechnisch und nachhaltige Umsetzungskompetenz beweisen. Die Umsetzung der Kriterien, die Promotion und weitere Kosten rund um den ESC schlagen sich in etwas mehr als 30 Millionen Euro zu Buche. Das geht aus einer Statistik von Eco Austria* hervor.
Trotz all dieses Aufwands liegt ein dunkler Schatten über der Veranstaltung. Denn wegen der Teilnahme Israels boykottieren einige Länder das Event. Mit den Niederlanden, Spanien, Irland, Island und Slowenien haben fünf Nationen ihre Mitwirkung abgesagt. Schon in den Halbfinalen ist es zu Zwischenrufen aus dem Publikum gekommen und es sind einige Protestkundgebungen in Wien angekündigt.
Australien ist ein Ausnahmefall.
Das Land der Kängurus und Koalas hat sich die Teilnehme mit seiner enormen Hingabe für den ESC verdient. Seit 1974 ist Down Under schon richtiggehend ESC-verrückt. Australien ist assoziiertes Mitglied der EBU und durfte zum 60. Jubiläum des Wettbewerbs das erste Mal teilnehmen. Damals durften sie direkt ins Finale, seitdem müssen sie sich aber genau wie fast jeder andere Teilnehmer im Semifinale beweisen.
Es gibt nur wenige Länder, die direkt ins Finale durchmarschieren. Es sind die größten Geldgeber des ESC: Italien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien. Außerdem hat auch das Gastgeberland ein „goldenes Ticket“. 2026 haben 35 Länder um den Einzug ins Finale gekämpft. Durch zwei Semifinale wurde die Anzahl der Lieder auf 25 reduziert.
Das Voting
2026 gibt es neue Regeln, was die Abstimmung betrifft. Die dafür verantwortliche Europäische Rundfunkunion will das Voting damit die „Transparenz, Verantwortlichkeit und Neutralität stärken“. Jeder Zuschauer hat maximal zehn Stimmen statt der bisherigen 20. Neu ab diesem Jahr ist auch die Rückkehr zum 50/50 System. Die Hälfte der Bewertung wird vom Publikum abgegeben, der Rest von der Fachjury. Diese Jury besteht aus sieben Mitgliedern, wobei mindestens zwei der Juroren zwischen 18 und 25 Jahren sein müssen.
Die maximale Punktzahl liegt für Telefonvoting und Jury bei jeweils 12 Punkten. Der nächstplatzierte Song bekommt 10 Punkte und dann geht es in Einserschritten nach unten. Für die Endwertung werden Telefonstimmen und die Juryergebnisse addiert, was im besten Fall 24 Punkte für einen Künstler bedeutet. Es ist nicht möglich, für sein eigenes Land abzustimmen. Immerhin würde sich wohl jeder 12 Punkte geben, was die Show nur in die Länge ziehen würde.
Man wird nicht reich, aber bekannt.
Offiziell gibt es keine Gewinnerprämie bei der Veranstaltung. Aber eine durchschnittliche Zuschauerzahl von 160 Millionen bedeutet für die Sänger einen unheimlichen Karriereboost. Dafür nimmt man schon so einige Regeln auf sich. Die selbst komponierten Werke dürfen maximal drei Minuten lang sein und müssen live gesungen werden. In welcher Sprache gesungen wird, steht den Künstlern seit 1999 frei.
Einige der ehemaligen ESC-Teilnehmer haben eine enorme Karriere gemacht. ABBA haben mit „Waterloo“ im Jahr 1974 gewonnen und wurden später mit eingängigen Songs und Glitzerklamotten weltbekannt. Celine Dion trat 1988 für die Schweiz an und gewann. Freddie Quinn war sogar beim allersten ESC mit dabei. Auch Bonny Tylers markante rauchige Stimme war bei der Veranstaltung zu hören. Mit 61 Jahren trat sie noch mal in Malmö zum 58. ESC an. Udo Jürgens war gleich drei Mal dabei und auch der niederländische Showmaster Rudi Carrell versuchte 1960 sein Glück auf der Showbühne.
„United by Music“
Der Eurovision Song Contest ist laut Aussagen der extra angereisten Fans mehr als nur eine Musikshow. Viele sind schon mit dem Event aufgewachsen, andere bewundern die Kreativität der Künstler. Aber alle sind begeistert, wie sehr doch Musik die Welt vereint. Das sieht das ESC-Komitee ebenso und stellt den 70. ESC unter das Motto: „United by Music – (In) the Heart of Europe“.
Nachtrag:
Die drei bestplatzierten Lieder beim Songcontest vom 16. Mai 2026 in Wien:
- Platz Bulgarien
- Platz Israel
- Platz Rumänien
* diese Statistik basiert auf den Zahlen vorheriger Eurovision Song Contest Veranstaltungen. Anzumerken ist auch, dass für jeden ausgegebenen Euro mit einem Wert von 1,70 Euro an gesamtwirtschaftlicher Wertschöpfung zu rechnen ist.
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Quellen:
Gespräche mit Teilnehmern am Public Viewing am 14.05.2026
Fotos:
Titelbild: (c) ORF
Bild vom Public Viewing: (c) Ingrid Müller
Bild des ESC Preises: (c) Sarah Louise Benentt


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