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Ein antiker Krimi aus Ägypten

Es gibt wohl nicht viele Tote, die genauer untersucht worden sind als die Mumie von Tutanchamun. Schon 1968 haben die Mediziner festgestellt, dass es einige Ungereimtheiten gab. Der ägyptische Herrscher starb mit nur etwa 18 Jahren. Bei der Mumie wurde beim Röntgen ein Knochensplitter im Kopf erkannt. Daraufhin spekulierte man, ob der junge Herrscher nicht durch einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf gestorben ist.

Reisen wir zurück ins Jahr 1341 vor Christus. Der Pharao Echnaton ist gerade an der Macht. Gleich nach seiner Thronbesteigung hat er einige Reformen durchgeführt. Eine davon war, die bisher geltende Staatsreligion zu revolutionieren. Statt der vorherigen Vielzahl von Göttern gab es jetzt nur noch einen. Den Sonnengott Aton. Daher war es kein Wunder, dass er für seinen neugeborenen Sohn den dazu passenden Namen ausgesucht hat: Tutanchaton (Lebendes Auge des Aton). Er war übrigens weder der Spross von Echnaton und seiner Hauptfrau Nofretete noch war dessen Zweitfrau Kija die Mutter des Kleinen. Genuntersuchungen zeigen, dass er von einer Schwester von Echnaton abstammt. Inzest war im alten Ägypten keine Besonderheit.

Alle Hinweise auf ihn sollten ausgelöscht werden

Als Echnaton nach nur 17 Regierungsjahren stirbt, wird alles unternommen, um seine ungeliebten Reformen rückgängig zu machen. Die Ägypter gehen sogar so weit, dass sie seinen Namen richtiggehend aus der Geschichte des Landes zu tilgen versuchen. Das Volk Ägyptens kehrt also wieder zu ihren geliebten alten Göttern zurück und ein neuer König besteigt den Thron. 

Der damals erst knapp zehnjährige Sohn Echnatons ist nun an der Macht. König Tut, wie er auch genannt wird, zeigt seine Verbundenheit mit dem Volk, indem er seinen Namen ändert. Zu Ehren des nun wiederbelebten Fruchtbarkeitsgottes Amun nennt er sich jetzt Tutanchamun.

Der Originalthron von König Tut. Es ist ein vergoldeter Stuhl mit einem ägyptischen Motiv auf der Lehne. Außerdem lag noch eine Erhöhung vor dem Stuhl, damit der König seine Füsse aufstützen konnte.
Auf diesem Stuhl hat der Pharao zu Lebzeiten gesessen. Er war bei den Grabbeigaben dabei.
Streitwagen und mehrere Schilder. Sie waren alle reich verziert. Man sieht sie in einer Vitrine.
Auch diese Gegenstände fand man in der Grabkammer. Der Streitwagen des Königs und einige Schilde.

König Tut macht Echnatons Lebenswerk rückgängig

Während seiner Regierungszeit kehrt er zu einigen alten Traditionen zurück. Er setzt Priester wieder ein und lässt überlieferte Rituale aufleben, die sein Vater verboten hatte. Ob diese Entscheidungen rein auf ihn zurückzuführen sind oder doch eher von einem Berater initiiert wurden, lässt sich nicht sagen. Der Herrscher hat trotz seines jungen Alters mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen zu kämpfen. Genetische Untersuchungen legen nah, dass er an Malaria, einem Klumpfuß und der Kohler-Krankheit litt. Durch diese seltene Knochenerkrankung seines Fußes fiel es ihm höchstwahrscheinlich schwer zu gehen, was die in der Grabkammer gefundenen 130 Gehstöcke erklären würde.

Der Pharao regiert nicht alleine. Neben ihm sitzt seine Frau (und Halbschwester) Anchesenamun auf den Thron. Wie die meisten Frauen dieser Epoche dient sie als Vermittlerin zwischen Pharao, Priester und Volk. In der Grabkammer Tutanchamuns wurden auch zwei Kleinkinder mit König Tut bestattet. Die Forscher gehen davon aus, dass die beiden zwei tot geborenen Kinder hatten.

Eine große Kiste mit Hieroglyphen und dazu passendem Deckel
Einer der drei Innensärge des Sarkophags in dem König Tut bestattet wurde.
Die bekannte Totenmaske von König Tut. Hier liegt sie noch auf dem inneren Sarkophag.
Der letzte Sarkophag, in dem die sterblichen Überreste des Pharaos lagen

Tutanchamun stirbt vor seinem 20. Geburtstag

Tutanchamun und Anchesenamun regieren am Ende der Amarna Dynastie, auch als 18. Dynastie bekannt. Die Bevölkerung war gespalten von den Änderungen, die Echnaton durchgeführt hatte. Die politische Lage war äußerst schwierig und viele mächtige und einflussreiche Männer versuchten, Vorteile daraus zu schlagen. In den knapp zehn Jahren, in denen Tutanchamun an der Macht war, versuchte er, die Wogen in dem Land zu glätten. Bis er plötzlich im Alter von gerade einmal 18 Jahren überraschend starb.

Über seinen Tod gab und gibt es viele Spekulationen. Eine Theorie lautet, dass Anchesenamun in dem früheren Berater ihres Mannes einen neuen Lebenspartner gefunden hat. Darauf lässt ein Ring mit der Gravur seines Namens schließen, der im Tal der Könige gefunden wurde. Ay stieg nach Tutanchamuns Tod zum neuen König von Ägypten auf. Ob er etwas mit dem Tod seines ehemaligen Schützlings zu tun hatte, bleibt ungeklärt.

Starb König Tut an den Folgen eines Unfalls mit dem Streitwagen oder doch durch einen Schlag auf den Kopf, wie es die Holzsplitter nahelegen? Oder sind sie durch ein unachtsames Balsamierungsverfahren in den Kopf gelangt und er erlag der Malaria? Vielleicht werden wir es irgendwann herausfinden.

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