Man verwendet es ganz selbstverständlich zum Würzen, streut es auf die Straßen, um Eis loszuwerden oder man gibt es Kranken in Form einer Infusion: Salz. Wie bei den meisten Alltagsgegenständen macht sich kaum jemand Gedanken über die Herkunft. Das hat sich bei mir geändert, als ich auf Reisen das Schild „Salzbergwerk Hallein“ entdeckt habe.
Huiiiiiii….. Quietschen und kichern die Kleinen auf der Holzrutsche, während die Eltern einen etwa angespannten Gesichtsausdruck haben. Man hat fast den Eindruck, auf einem Spielplatz zu stehen, dabei spielt sich die Szene gut 120 Meter unter der Erdoberfläche ab. Im Schaubergwerk der Salinen Austria kann man sich für einige Stunden wie ein Bergarbeiter fühlen – mit allem, was dazu gehört.
Auf Schienen in die Tiefe
Los gehts erst mal mit der Fahrt mit dem Bergwerkszug. Auf einer kleinen Bank sitzend wird man in den Berg hineinkutschiert. Nach 720 Meter gehts dann zu Fuß weiter. Den ersten Stop gibts in einer kleinen Höhle. Hier gibts erste Erklärung von Florian, er ist einer der Besucherführer. Das Bergwerk Bad Dürrnberg ist das älteste und größte Schaubergwerk der Welt. Hier wird den Besuchern schon seit dem 17 Jhrd. der anstrengende Alltag der Bergleute nähergebracht.
Wie sich herausstellt, ist der Aufbau der Besichtigung anders als erwartet: Hier werden zuerst die modernen Fördermethoden erklärt und dann man reist in der Zeit rückwärts. Das geht bis zur Steinzeit, als die ersten Menschen die Salzadern im Berg entdeckt haben. Auch die Lage des Bergwerks ist einzigartig: Die Salzminen befinden sich zu 1/3 in Österreich, 2/3 davon liegen auf deutschem Staatsgebiet. Das Bergwerk ist das einzige weltweit mit einem solchen unterirdischen Grenzübertritt. Aber keine Angst, hier muss keiner den Pass herzeigen: Es gibt ein Grenzabkommen zwischen den Staaten.
Was passiert da unten?
Seit den 1960igern wird das Salz durch das Bohrlochsondenverfahren gewonnen. Es wird bis in eine Tiefe von 300 – 550 Meter gebohrt und dann durch ein doppeltes Rohr Wasser eingeführt. Dieses reichert sich mit Salz an und wird nach kurzer Zeit wieder abgepumpt. Die so gewonnene Sole wird später in speziellen Pfannen an der Erdoberfläche erhitzt. Nachdem die Flüssigkeit verdampft ist, bleibt das Salz übrig.
Nach all den technischen Ausführungen soll der Spaß nicht zu kurz kommen: Zeit für das erste Mal rutschen. Nach einer kurzen Einweisung (Beine heben nicht vergessen, zurücklehnen und lächeln für die Kamera) folgt ein beherzter Schubsers durch den Bergwerksführer. Auf der hölzernen Rutsche kriegt man übrigens ganz schön Tempo zusammen: Die Spitzengeschwindigkeit lag bei 47,5 km/h! Damit die Kleidung nicht leidet und im dunklen Stollen niemand verloren geht, muss man sich schon vorher eine weiße Jacke und Hose überziehen.
Es wird nicht nur gerutscht!
Damit die Führung für die kleinen Gäste nicht zu langweilig wird, steht als Nächstes eine unterirdische Bootsfahrt auf dem Programm. Bevor man über den zehn Grad kühlen Solesee schippert, darf man noch einen Tropfen eben dieser Sole probieren. Das reicht auch, denn schon bei einem Tropfen zieht es einem alles zusammen. 27 % Salzgehalt, das ist schon heftig. Im Vergleich: das Meer hat nur vier Prozent.
Runter vom Boot, rauf auf Rutsche Nummer zwei. Ganze 40 Meter gehts hier in die Tiefe und man landete am tiefsten Punkt der Tour. Ein wenig beunruhigend ist es schon, wenn man weiß, dass 210 Meter an Gestein und Erde über einem liegen. Das ist um einiges mehr als die Höhe des Stephansdoms (136 Meter). Nach einer kurzen Wanderung und wieder auf österreichischem Staatsgebiet erfährt man mehr vom Alltag im Mittelalter. Anno dazumal wurde ein händisch betriebener Ventilator für frische Luft in den Stollen eingesetzt. Die vormals angewendete Methode, Gesteinsbrocken mittels Spitzhacke herauszulösen und dann per Karren hinausbefördert, wurde modernisiert. Nun wurde Wasser in den Berg geleitet und dieses nach kurzer Zeit als Sole mit Eimern herausgeholt. Über hölzerne Rohre kam sie dann zur Weiterverarbeitung.
Am Dürrnberg wird schon seit Jahrtausenden Salz abgebaut. Mindestens zwölf historische Abbaukammern wurden gefunden. Sie stammen aus einer Zeit, als die Stadt Rom gerade mal 150 Jahre existierte. Auch damals wurde schon in 200 Metern Tiefe das Mineral abgebaut. Mit Spitzhacken aus Holz mit einer Eisenspitze konnte pro Stunde ganze 600 Kilo salzhaltiges Gestein gefördert werden. Das wurde von Archäologen bei einem Feldversuch mit gleichartigem Arbeitsgerät nachgewiesen.
Nach fast 1 1/2 Stunden bei 10 Grad, hoher Luftfeuchtigkeit und düsterem Licht ist man schon froh, wieder nach oben zu kommen. Dafür gibts überraschenderweise sogar eine Rolltreppe. Die bringt einen wieder zum Ausgangspunkt, wo die Bahn die Besucher wieder zum Ausgang fährt. Die Führung war sehr informativ und wann hat man schon die Gelegenheit, Sole direkt aus dem Bergwerk zu kosten, auf einem Solesee zu fahren und mehrere Hundert Meter unter der Oberfläche um die Wette zu rutschen? Da kommt eindeutig das Kind in einem wieder raus.
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Quellen:
Eigene Erfahrung bei der Führung am 15. August 2025 durch Herrn Florian Kohl
Fotos: Ingrid Müller


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