Süßliche Rauchwolken wabern durch einen düsteren Raum. Ein paar Jugendliche teilen sich einen Joint und können dabei nicht aufhören zu kichern. Der tätowierte Chef des Lokals führt eine angeregte Unterhaltung mit einigen etwas zwielichtig wirkenden Gästen. Ungefähr so habe ich es mir in einem Coffeeshop vorgestellt. Ich lag falsch.
In den Niederlanden ist, entgegen der vorherrschenden Meinung, der Konsum von Cannabis illegal. Das Kiffen wird lediglich geduldet und auch beim Besitz gibt es eine Grenze von fünf Gramm für den persönlichen Bedarf. Der Anbau von bis zu 5 Hanfpflanzen ist ebenfalls straffrei. Das öffentliche Kiffen auf den Straßen im alten Zentrum ist auch verboten, was die vielen Coffeeshops erklärt.
Genau in eines von diesen Lokalen hat mich die Neugier getrieben. Die erste Überraschung gab es bei den Öffnungszeiten: Man kann sich sein erstes High schon ab 7 Uhr morgens holen. „Das wird von den Touristen sehr gut angenommen. Sie kommen in Amsterdam an und vertreiben sich hier die Zeit bis ihr Hotelzimmer bezugsfertig ist“ erklärt mir der Manager des „Easy Times“ Nathan.
Beim Gespräch mit ihm wird gleich ein weiteres Klischee zerstört. Er wirkt wie ein seriöser Geschäftsmann auf mich. Keine Tattoos, klare Aussprache, gebildet. Nathan führt den Laden mit derzeit vier Angestellten, die Atmosphäre wirkt sehr familär. Im Eingangsbereich steht eine Theke, an der man die Bestellung aufgibt. Dahinter hängt eine große „Speisekarte“ auf der neben verschiedenen Arten von Weed und Hasch auch sogenannte „Edibles“ aufgeführt sind. Also Haschkekse.
Hashkekse sind nicht zu unterschätzen
„Die sind sehr beliebt bei Einsteigern. Das Problem dabei ist, dass die Wirkung erst sehr zeitverzögert einsetzt“ Nathan wirkt etwas unglücklich, während er das sagt. „Da kommt es dann schon mal vor, dass den Leuten danach kotzübel wird“. Hm, das erklärt seinen Gesichtsausdruck. Er scheint diese Erfahrung schon öfter gemacht zu haben.
Der Verkauf von Cannabis in den Coffeeshops ist übrigens nur unter Einhaltung einer Menge Auflagen erlaubt. Neben dem Verkaufsverbot an Minderjährige und der maximalen Vorratsmenge von 500 Gramm pro Coffeeshop darf dort auch kein Alkohol verkauft werden. Ich muss ein wenig schmunzeln: Es gibt circa 30 Sorten Weed aber kein einziges Bier im „Easy Times“. Gesetz ist eben Gesetz. Auch wenn ich persönlich den Eindruck hatte, dass es mit der Kontrolle einer weiteren Auflage nicht so genau genommen wird: „Der Zugang und Verkauf an Personen mit Wohnsitz außerhalb der Niederlande ist verboten“.
Caramello oder doch lieber Amnesia Haze?
Bei der Auswahl zwischen Sorten wie „Big Buddha Cheese“ oder auch „Caramello“ fällt die Wahl schwer. Da ist es sehr hilfreich, dass die Angestellten auch beraten – was bei manchen Sorten allerdings fast überflüssig ist. „Amnesia Haze“ ist schon ein ziemlich aussagekräftiger Name. Man kann zwischen der Menge von einem Gramm oder 3,5 Gramm wählen. Übrigens sollte man dran denken, den Tabak mitzubringen: Den haben sie nämlich nicht vorrätig. Für den Wunsch nach einem spontanen Höhenflug kann man aber auch einfach „Pre-Rolled“ bestellen: einen fix und fertig gerollten Joint. Für mich war das allerdings keine Option, ich weiß lieber genau, was und wieviel ich da konsumiere.
Somit endete mein erster Besuch in einem Amsterdamer Coffeeshop mit der Bestellung eines Kaffees. Und mit dem Zerstören von einigen Vorurteilen: Es gab weder Rauchschwaden (die Absaugung funktionierte echt hervorragend), noch Jugendlich, die einen Joint rumgehen ließen. Bei meinem Besuch um 13 Uhr mittag waren es Geschäftsleute in Anzug und Krawatte, die ein wenig Entspannung suchten. Vielleicht schaue ich beim nächsten Besuch in Amsterdam nochmal rein. Und wenn es nur für einen Verlängerten ist.
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Credits:
www.damste.de/strafrecht-niederlande/drogen-strafrecht-niederlande
https://highsociety.de/blogs/gesetzgebung/canabis-amsterdam
Interview mit Nathan im April 2024
Fotocredit: Ingrid Müller


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